Kampfes Lust

Die Szene

Quo vadis anno 2009?

Die Krise ist zum vielleicht geläufigsten Wort unserer Zeit geworden. Haben wir in der Szene der Amazonenfreunde vielleicht auch eine? Auf jeden Fall haben wir vor drei Jahren eine gehabt. Die jetzige Situation läßt sich eher als Verflachung bezeichnen.

Nie zuvor haben wir so viele Möglichkeiten gehabt wie gegenwärtig. Niemand hindert uns, unseren Neigungen zu folgen. Wer uns ein Bein stellen will, stolpert eher selbst - siehe der belgische Fernsehjournalist Defossé, der für seine diskriminierende Kolportage über eine Ringkampfveranstaltung im Februar 2005 in Jemelle nach drei Jahren zu Schadenersatz verurteilt worden ist.

Kaum zu glauben, daß wir uns vor zwanzig, dreißig Jahren Werbematerial für Super-8-Filme, Ringkampf-Comics oder SW-Fotos aus den USA kommen ließen und selbst die Prospekte treu und brav in damals ziemlich teuren Dollar bezahlten. Heute genügt es, Suchfunktionen im Internet zu betätigen, und wir werden Tag und Nacht frei Haus mit einem Angebot an Kampfszenen ungezählter Webseiten überschüttet. Jahrelang galt „Amazons in Action“ weltweit als das einzige kompetente Sprachrohr für kommerzielle Aktivitäten auf der Matte und zwölf Jahre lang die „Amazone“ als die deutschsprachige Stimme. Heute können Nachrichten und Meinungen von einer Stunde auf die andere verbreitet und jedermann zugänglich gemacht werden. Aus der ängstlich gehüteten Heimlichkeit hat sich eine Entwicklung hin zur Community vollzogen.

Und doch fehlt etwas, das es früher gab: Neue Impulse, Leidenschaft, intellektuelle Durchdringung unserer Neigung, wirkliche Diskussion und Solidarität. Da sich jeder im Glashaus wähnte, hütete man sich, auf andere Glashäuser mit Steinen zu werfen. Dessen kann man sich seit drei Jahren nicht mehr sicher sein. Zwar war die Szene auch früher schon atomisiert; die „Community“ ist erst durch das Internet geschaffen worden, aber die Aktivitäten heute bleiben weit hinter den Möglichkeiten zurück. Selbst DWW, ein Fels in der Brandung des Kommens und Gehens, hat nach den Festivals in Ungarn aus welchen Gründen auch immer seine bisher größte Zeit offenbar hinter sich. Über die unternehmerische Emanzipation von Hana kann man sich freuen, aber foxycombat wird erst noch zeigen müssen, ob der Glamour, den die Homepage ausstrahlt, auf die Dauer ein solides Konzept, das mehr ist als die Produktion attraktiv anmutender Videos, tragen kann. Oder mit den Worten eines Amazonenfreundes, den ich zu meinem Kommentar konsultiert habe: „Besonders auffällig ist, daß im Dschungel der marktschreierischen Angebote immer mehr Gewicht auf Verpackung und Präsentation gelegt wird. Zunehmend in den Hintergrund treten Leidenschaft, Kampfeswillen und eine gesunde Härte.“

Mit den Printmedien sind auch die kompetenten Reviews, die kritischen Rezensionen von Produktionen und Veranstaltungen, untergegangen. Was wir heute im Forum lesen, sind völlig zufällige Berichte, zum Teil mit überflüssigen, langatmigen, persönlichen Details, meistens diktiert von den Vorlieben der Verfasser, zum Teil Protokolle ohne Wertung. Auch das ist unter Verflachung zu verstehen. Persönliche Meinungen und durchaus nützliche Informationen, aber keine Orientierung.

Wie glücklich waren Amazonenfreunde, wenn sie einander begegneten, sich endlich austauschen konnten! Was wir heute im Forum Catfightfans erleben, das ja der Struktur nach durchaus anspruchsvoll konzipiert war, ist in der Hauptsache der Austausch von Beiläufigkeiten. Jeder plappert vor sich hin, wie aufregend er die Ringerin X. findet, und drei andere stimmen zu oder finden Y. noch aufregender. Insofern spiegelt das Forum getreu die Situation der Szene wider, die Nivellierung auf Chat-Niveau. Fightergirl gar beschränkt sich offenbar auf Suchen und Finden von Partnerinnen für Mixed-Kämpfe und bezieht unverhohlen Angebote des Prostitutionsgewerbes ein. Es fällt auf, daß in den Foren trotz Hunderten von Usern immer nur ein kleiner Kreis seine „Postings“ absetzt. Dieser Kreis fluktuiert. Von Zeit zu Zeit zieht sich einer der Diskutanten, die ja nicht wirklich diskutieren wollen, von sich aus schmollend zurück, und wieder ein neuer User erfindet den Pin-und-Submission-Kampf gänzlich neu. Zwei sind meines Wissens gesperrt, aus keinem anderen Grunde als dem, weil sie lästig erschienen.

Wer gerade erst seine Neigung entdeckt hat und eines der Foren oder die Seiten einschlägiger Internet-Gruppen anklickt, erhält einen irreführenden Eindruck der Szene. Sie besteht nach wie vor eben nicht nur aus den Usern der Foren, von denen viele ein reichlich platonisches Verhältnis zur Szene haben und auf die Bewahrung eines Kontinuums nicht den mindesten Wert legen. Nach wie vor sind die nicht in einem Forum Vertretenen ja noch da, nur treten sie nicht in Erscheinung, zum Beispiel die ehemaligen „Amazone“-Leser, die sich dem Internet verweigern, Amazonenfreunde wie der „Rauftreff“-Begründer oder der Aktivist des rheinischen Beach-Balgens, solche, die ich beim TAC getroffen habe, der Amazonenfreund aus der ehemaligen DDR, der schon damals gesammelt hat, was er über den Frauenkampf in Erfahrung bringen konnte, und jener andere, mit dem ich mich neulich über Béatrice und Michel ausgetauscht habe.

Was diesen beiden Pionieren an Üblem widerfahren ist, war im cff-Forum zu keiner Zeit ein Thema; Solidaritätsbekundungen mit der todkranken Bettie Page, die wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht den mindesten Wert darauf gelegt hat, wurden angekündigt, aber keine Grußadressen an Béatrice und Michel versandt, denen das wahrscheinlich ein wenig geholfen hätte. Ebensowenig ist auf irgend eines der Themen, die ich in „Kampfes Lust“ behandelt habe, Bezug genommen worden. Stattdessen wird eine außenstehende e-book-Autorin, die dank der Internet-Suchfunktion in dieser Szene zufällig eine Zielgruppe entdeckt hat, angehimmelt, nur weil in ihrer Erzählung ein Catfight vorkommt, der zudem nicht typisch für die Mentalität der Szene-Angehörigen ist. Nein, keine persönliche Abrechnung, nur ein weiteres Beispiel für die Verflachung. Selbst der eigenen Homepage verweigern die User die Mitarbeit. Die letzte Nachricht unter den „News“ ist vom 12. Juni 2008. Da sucht eine RTL-Produktionsfirma eine Ringerin. Sie sucht sie haargenau dort, wo sie mit Sicherheit nicht zu finden ist, unter frustrierten Männern. Der Sender ist ja wohl derjenige, der in der Reihe „Explosiv“ den privaten Ringkampf durch den Dreck zu ziehen versucht hat. Die Szene, die sich im Forum artikuliert, hat kein Gedächtnis; sie will keines haben.

Gibt es Positives? Die Szene, soweit sie in Erscheinung tritt, hat sich nach einer Phase der Labilität, ausgelöst durch die Presseveröffentlichungen vor bald drei Jahren, wieder gefestigt. Daran ändern auch diejenigen nichts, die damals schleunigst das weite gesucht haben; sie haben sich damit selbst am ärgsten abgestraft. An das Hauptproblem früherer Zeiten, nämlich die bange Frage: Wo finden wir Ringerinnen?, braucht sich niemand mehr zu erinnern. Wer die Initiative ergreift, bereit zu Investitionen ist und einen halbwegs seriösen Eindruck hinterläßt, findet vorurteilslose junge Frauen, die auf die Matte gehen. GUROs zwar nicht auf Statistik beruhende, aber plausible Hypothese hat sich bestätigt. Die Gefahr besteht allerdings, daß die leidenschaftlichen Kämpferinnen, die noch jetzt viele Videofilme von DWW, Festelle oder WISC sehenswert machen, von Models verdrängt werden, die auf der Matte nur eine etwas andere Art der Selbstdarstellung sehen.

Wir mögen zwar, wie ich, mit der jetzigen Situation nicht zufrieden sein, aber im Vergleich zu früheren Entwicklungsphasen haben wir insgesamt an Selbstbewußtsein gewonnen. Gefahren erwachsen aus der Szene selbst: daß sie zunehmend zu Konsumenten von Angeboten wird, hinter denen nicht wie bei DWW hohes persönliches Engagement, sondern ausschließlich Gewinnstreben steht. Professionalisierung wird immer auch Kommerzialisierung bedeuten. Es liegt bei den Amazonenfreunden selbst, Authentizität zu erkennen und zu fördern. Was wir brauchen – das hat sich schon vor drei Jahren gezeigt –, sind Initiativen zu Treffen im kleinen privaten Kreis. Je vielfältiger die Szene wird, desto undurchschaubarer und damit weniger angreifbar wird sie für Außenstehende, die sich nicht scheuen, eine verklemmte Moral wiederzubeleben, um ihr eigenes Süppchen zu kochen. Hürden auf dem Weg der Fortentwicklung sind nach wie vor mangelnde Toleranz innerhalb der Szene gegenüber Facetten, die man nicht selbst vertritt, fehlende Integrationsbereitschaft, die Scheu, für seine Neigung in gemeinsame Projekte zu investieren, und die mangelnde Bereitschaft zu intellektueller Auseinandersetzung.

Die Erfahrung lehrt jedoch, daß sich diese Szene wie jede andere aus sich selbst heraus erneuert, selbst wenn es einige Zeit dauern sollte; denn die Bedürfnisse, die zu dieser Szene geführt haben, sind geblieben.
Werner Sonntag 


Quo vadis anno 2010?

Der Versuch einer Standortbestimmung vor einem Jahr ist insbesondere bei Benützern der beiden Foren Catfightfans und Fightergirl auf Widerspruch gestoßen. Dennoch soll der Versuch wiederholt werden. Dies um so mehr, als ich außerhalb der Foren durchaus auch Zustimmung erhalten habe. 

Wie ist die Lage? Hat sie sich im Jahr 2009 verändert? Welche Veränderungen sind sichtbar geworden? Grundsätzlich: Ich halte meine Bemerkungen von vor einem Jahr noch immer für berechtigt. Dies jedoch auch, was die positive Seite angeht. 

Als positiv habe ich vermerkt: Aus der ängstlich gehüteten Heimlichkeit hat sich eine Entwicklung hin zur Community vollzogen. Diese Community stellt sich dar, differenziert sich weiter, nützt jedoch ihre Möglichkeiten nicht aus. Den Vorwurf der Verflachung halte ich nach wie vor aufrecht. 

Positiv ist, daß die Krise des Jahres 2005/2006 vergessen scheint. Eine Anklage gegen Béatrice und Michel wegen der Veranstaltung im Februar 2005 ist nicht erhoben worden. Die Behauptungen, die damals die Grundlage einer Reportage im belgischen Fernsehen und einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur bildeten, sind auf Sand gebaut; sie stellen sich als eine private Racheaktion dar, als die wir sie schon damals bezeichnet haben. Dies hat wohl auch die Richterin in dem von Béatrice und Michel angestrengten Schadenersatzprozeß so erkannt. Weder ist es verboten, unbekleidet oder nahezu unbekleidet zu ringen, noch ist es verboten, nach modifizierten Regeln zu ringen. Weder ist es verboten, dafür Geld zu verlangen, noch Geld dafür zu zahlen. Der Fall einer minderjährigen Beteiligten, die sich offenbar um einige Monate älter gemacht hat, ist als juristischer Angelpunkt wohl kaum brauchbar. 

Wir können uns also in dieser Beziehung zurücklehnen. Dennoch, was ich als Verflachung der Szene bezeichnet habe, gilt nach meiner Ansicht nach wie vor. Aus einem Brief über Ringerinnen zitiere ich: „Ein eigenes Ringerinnen-Image entwickeln nur sehr wenige. Es herrscht Einfalt statt Vielfalt, Konformität im Denken und Uniformität in der Kampfkleidung. Nicht selten beschränkt sich die kampfsportliche Ausbildung auf einen Wochenend-Crashkurs. ... Die Kämpfe aus den Anfangszeiten der heute renommierten Produzenten.... waren zwar technisch nicht so aufwändig produziert wie heutige Kämpfe, aber die Kämpfe waren um so leidenschaftlicher.“ 

Statt Vielfalt haben wir eine personell gebundene Ausdifferenzierung. Die einzelnen Gruppierungen haben kaum oder gar keine Kontakte zueinander. Die seit 1996 bestehenden Rauftreffs in München betreiben Therapie, die rheinischen Ringer Freikörperkultur. Die Beach-Variante des organisierten Ringkampfsports, die international eingeführt worden ist, wird den Erwartungen wohl nicht gerecht. Entsprechende Veranstaltungen zu finden, gerät zur mühsamen Fahndung im Internet. Das läßt den Schluß zu: Der vom Internationalen Ringerbund lancierte Regelvorschlag hat sich zumindest in Deutschland als Totgeburt erwiesen. 

In der privaten Szene behauptet DWW nach wie vor seine führende Position. Das ist um so bemerkenswerter, als wir auf diesem Gebiet doch mit sehr kurzen Zeitphasen intensiver Aktivität rechnen müssen. G. R. hat mit DWW seine starke Position behalten und versteht es, sie auszubauen. Allerdings beklagen wir noch immer den Verlust der sommerlichen Treffen, wie denn überhaupt DWW in der Praxis nur noch als Händler auftritt. Das Ringkampfgeschehen spielt sich innerhalb eines ungarischen und eines tschechischen Teams ab. Vermutlich stand G. R. in dieser Beziehung unter einem gewissen Druck. Denn eines hat sich immer mehr abgezeichnet: Die Frauen ergreifen die Initiative und vermarkten sich selbst. Anne Hurricane ist eine der ersten in Europa gewesen, die in dieser Beziehung initiativ gewesen ist, wenngleich längst nicht alle Blütenträume gereift sind. APL geht auf die portugiesische Kämpferin Paula zurück; nach wie vor werden regelmäßig Angebote vorgelegt. Hana, eine der frühen Ringerinnen von DWW, hat, wie bekannt, ihren Verwaltungsjob bei DWW aufgegeben und sich selbständig gemacht. Mit Foxycombat hat sie ein unverwechselbares Unternehmen aufgebaut; das erotische Image ihrer Website ist einzigartig. Die Frage, ob das wirtschaftlich für die Zukunft trägt, bleibt weiter offen. Bei AS, deren Inhaber Andreas M. ist, zeichnet Silke als Kontaktperson, was insofern angebracht ist, als sie eigene Ringkampf-Erfahrung hat. AS hat im Jahr 2009 in voller Absicht auf die Veranstaltung eines Live-Treffens verzichtet. Ob wohl das Kämpferinnen-Potential zu gering ist? Die Personal-Galerie nennt weit mehr inaktive Kämpferinnen denn aktive. Und Nadège und Xana kann man wohl kaum als AS-Ringerinnen beanspruchen, nur weil sie vor Jahren in oder bei Elmshorn aufgetreten sind. 

Die Handelsfirma Kontex wird von Kai Kollatschni unterhalten; die Webseiten-Leser werden jedoch von Cindy angesprochen. Auch auf diese Weise tritt eine Feminisierung zutage. Die immer etwas undurchsichtige deutsch-kanadische Kombination, die sich als Produzent isoliert hat, hat nichts mehr von sich hören lassen. Classic-Catfights werkelt still vor sich hin; eine Veranstaltung hat zwar hier seit November 2007 nicht mehr stattgefunden, aber die Kampf-Aktivitäten in Dresden sind stetig. LGIS ist ja wohl, wie die Internet-Präsenz über TPC erkennen läßt, in anderen Händen und vermarktet die Vergangenheit. Unter den deutschsprachigen Produzenten ist der Aufbau der österreichischen Firma Fightinggirls in Graz bemerkenswert, wo man sich entschlossen zum Kampf im Bikini oder in Catfight-Kleidung bekennt. Zum Gesprächsstoff hat sicher die rege Profilierung durch Foren-Beiträge verholfen. Allein die Links der genannten Webseiten lassen erkennen, daß es unmöglich ist, die vielen einschlägigen Angebote anders als nur durch eine rasch veraltende Liste zu erfassen. Es bleibt nichts, als sich zur Orientierung selbst auf Entdeckungsreisen zu begeben. Hingewiesen sei hier noch auf die französische Athène2 und die amerikanisch-russische Seite female single combat club, die eine beträchtliche Kontinuität aufweist.

G. R. hat sich, wie andere, aus dem Forum Catfightfans verabschiedet; man findet ihn im Fightergirl-Forum. Bei Catfightfans hat die im Mai abgeschlossene Arbeit an der Website Erwartungen geweckt, sie jedoch keineswegs erfüllt. Objektiv gesehen, hat CFF an Substanz verloren, das Forum ist ausgedünnt, die Archivbeiträge tragen beträchtliche Patina. Hingegen hat das Fightergirl-Forum dank zunehmender Qualitätsbeiträge gewonnen. Da zudem provozierende Beiträge verschwunden sind, ist es lesenswert geworden. Offenbar ist jedoch das Internet insgesamt reifer geworden; die Provokateure geben nicht mehr den Ton an. 

Unkommerzielle private Websiten erschließen Clips. Wiewohl YouTube kaum noch zu übertreffen sein dürfte. Qualität ist hier jedoch eher selten. Ein typisches Merkmal der von mir getadelten Verflachung ist es, daß Hinweise auf solche Clips, so berechtigt sie im einzelnen auch sein mögen, einen erheblichen Teil an Information in Forumsbeiträgen ausmachen. 

Was der Szene heute nach wie vor fehlt, ist persönliche Leidenschaft. Wir können alles haben, Clips zum großen Teil ohne Bezahlung. Das Internet ermöglicht Austausch; damit haben die Begegnungen bei Veranstaltungen an Bedeutung verloren. Darin sehe ich, auch wenn ich mich selbst an den Ohren ziehen müßte, einen beträchtlichen Verlust. Die Ausdifferenzierung der Szene dürfte wahrscheinlich nur durch Integration der verschiedenen Interessentenkreise aufzuhalten sein; diese jedoch ist nach wie vor nicht erkennbar. 

W. S.

Quo vadis anno 2011?

Wie läßt sich die Szene für das Jahr 2011 kennzeichnen? Zunächst einmal sind Verluste zu registrieren. Anne Hurricane in Lüttich hat uns verlassen. Über Beweggründe, Motive, Änderung der mentalen Befindlichkeit liegen keine Aussagen aus ihrem Munde vor. Ihre Website hat sie über Nacht vom Netz genommen. Vom Weitersagen wird verlautet, sie habe sich gänzlich zurückgezogen. Einen äußeren Anlaß gibt es offenbar nicht, vielleicht daß sich dieses Ende angedeutet hat. Der Fall ist jedoch keineswegs einzigartig. Ich habe in meinem Leben schon mehrfach erlebt, daß Frauen eine Aktivität - es handelt sich nicht um Ringkampf - aufgegeben und mit demselben Enthusiasmus zu einer anderen gefunden haben. Übrigens gilt das auch für Gert, den Begründer des SportRings und in älteren Filmen häufig gesehenen Mattenrichter. Zur Erklärung kann man nur Mutmaßungen aufstellen.

Im Falle von Anne muß man von einem echten Verlust sprechen, denn sie war nicht nur eine hervorragende Kämpferin, sondern hat auch mit immer neuen organisatorischen Bemühungen zur Entwicklung der Szene beigetragen. Wenn ich das richtig sehe, ist damit die letzte Säule in Belgien gefallen. Wie sich Puma und Nadège orientieren, wird man abwarten müssen. Beide sind zur Zeit nicht aktiv. Eines Tages werden auch hier biologische Grenzen sichtbar werden. Auch die Video-Filme von Anne Hurricane, promoted by DWW, sind vom Markt genommen, genau wie dies bei den TAC-Filmen geschehen ist. DWW mag, wenn der Geschäftspartner weggefallen ist, gute Gründe dafür haben, - bedauerlich ist es in jedem Fall.

Auch bei den rheinischen Beach-Balgern ist nicht alles so gelaufen, wie beabsichtigt. Es hat sich auch hier bestätigt, daß es in dieser Szene außerordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich ist, organisatorische Strukturen zu schaffen und in ihnen zu arbeiten. Ein nachträglicher Kommentar: Meine seinerzeitige (gedankliche) Bemühung, einen Verein zu gründen, mußte daher scheitern.

DWW muß offenbar die Passivität von HWW, den ungarischen Ringerinnen, beklagen. Dennoch, die kontinuierliche Produktion von Video-Filmen ist weitergegangen. Seit Jahr und Tag gibt es auf der DWW-Website den Clip des Tages und das Bild des Tages. Allein dies durchzuhalten, ist verdienstlich. Und der einzigartige Adventskalender ist eine reizvolle Quelle. Hanas Foxycombat in Brünn hat von Anfang an einen ganz eigenen Stil entwickelt und ist in drei Jahren zu hoher Professionalität gewachsen; über vierzig Aktive, das ist schon ein Wort. Die Website ist ein ästhetischer Genuß.

Wenn ich auf die einschlägigen öffentlich zugänglichen Forumsseiten blicke, so hat sich das Girlfight-Forum nun eindeutig als die lebendigere Seite profiliert. Zwar ist die Mitteilung und Bewertung von kommerziellen Kampfangeboten nach wie vor ein Schwerpunkt, aber die intellektuellen Diskussionsbeiträge haben ein hohes Niveau. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt zieht sich der Moderator zurück. Er mochte die Streitereien nicht mehr ertragen. Doch wenigstens schließt er nicht die Seite. Die Catfightfans hingegen sind abgefallen. Es hat sich gezeigt: Wenn Moderatoren die Hände in den Schoß legen und profilierte Schreiber wegbleiben, leidet die Website Not. Die thematischen Ansprüche allein tragen nicht. Interessant scheint mir zu sein, daß grundsätzlich die Zahl von zu beanstandenden Postings zurückgegangen ist. Dies gilt offenbar auch für andere Diskussionsforen. Möglicherweise war die Zahl der leidenschaftlichen, mitunter beleidigenden und verqueren Äußerungen, die anderswo auch schon zur vorübergehenden Schließung geführt hatten, eine Übergangsphase in der Entwicklung der Internet-Kommunikation. Die Nutzer sind reifer geworden. Der Zeitpunkt, dies festzuhalten, mag gegenwärtig schlecht gewählt sein; doch das mindert die Berechtigung der Aussage nicht.

Erinnert sei bei dieser Gelegenheit an eine Seite ohne Forum, die russisch-amerikanische woman single fight club, die keinerlei Aufsehen erregt, aber doch immer wieder aktualisiert wird und für Einsteiger eine hervorragende Basis darstellt.

Wie nun ist der Stand dieser Szene, die Fetisch-Szene genannt wird? Sie ist, was zu erwarten war, eindeutig primär kommerziell bestimmt. Auch in der Zeit, als wir Prospekte von Anbietern bezahlen mußten, sollte zwar Geld verdient werden, aber es gab doch eine enge Kommunikation unter einzelnen Zirkeln, eine gedankliche Auseinandersetzung. Das Internet hat diese privaten Verbindungen überflüssig gemacht. Wer etwas zu sagen oder zu fragen hat, der „postet“. Wem das widerstrebt oder gar, wer sich dem Internet verweigert, steht isoliert da.

Dabei ist das Internet ein Medium, das für unsere Szene wie geschaffen ist. Doch leider hat es die interne Kommunikation verdrängt. Fluch und Segen liegen hier dicht beieinander. In technischer Beziehung haben die Filmmedien ein hohes Niveau erreicht. Wäre nicht der nostalgische Reize der Kämpfe in der Celluloidfilm-Zeit, müßte man heute über die damaligen Produkte lächeln. Der Fortschritt in der Kampftechnik wie in der Aufnahmetechnik hat freilich zu steigenden Ansprüchen geführt. Es wird ganz sicher schwieriger werden, diese Ansprüche zu befriedigen.

Die Standortbestimmung: Wir haben eine kommerzielle Szene, in der DWW trotz Abstrichen im Detail weltweit die Spitze hält. Das Positive ist, daß G. R. zwar Geld verdienen will und muß, aber sich dennoch nach wie vor in tiefer Überzeugung für die Bedürfnisse der Szene engagiert. Diese Bedürfnisse kennt er wie kein anderer aus nun vieljähriger Erfahrung. Schon vor über zwanzig Jahren wollte er ein Buch schreiben. Das damalige historische Thema sollte er fallenlassen; sein Thema heute müßte lauten: „Meine Kunden und ich“. Buchproduktionen stellen ein beträchtliches Risiko dar, gerade in dieser Szene. Dennoch, ein Buch von G. R. wäre zumindest für einen kleinen Leserkreis interessant, vor allem aber notwendig für die Entwicklung der Szene. Wir warten.

Die Kommunikation in der Szene vollzieht sich vorwiegend in den beiden Foren. Thematisch wird jedoch der Eindruck erweckt, den Beteiligten gehe es vor allem um den Mixed-Kampf. Das mag ja für die Beteiligten stimmen, mit Sicherheit aber nicht für die Szene. Da spielen die Mixed-Kämpfer eine absolut untergeordnete Rolle. Die Foren sind ein Teil der Szene, aber sie sind nicht die Szene. Was ich uns wünsche, ist die Bildung und Aufrechterhaltung privater Verbindungen, die geteilte Lust, die persönliche Initiative.

W. S.

Amazonen - Mythos und Realität

Die Amazonen – Mythos oder Realität? Die Szene, um die es auf dieser Website geht, hat mit antiken Autoren gemein, daß sie wohl überwiegend die Amazonen für real hält, nämlich für ein untergegangenes matriarchalisch regiertes Volk. Doch dafür gibt es keinerlei Beweise. Andererseits sind gerade in den letzten Jahren im nördlichen Schwarzmeergebiet Ausgrabungen gemacht worden, bei denen man Gräber bewaffneter Frauen freigelegt hat. Unter diesem Aspekt müssen vielleicht sogar frühere Grabungsergebnisse, als man reflexartig Waffenfunde Männern zugeordnet hat, korrigiert werden. Die Funde bewaffneter Kriegerinnen stellen zwar keinen Beweis für die Realität eines Amazonenvolks dar, aber sie können eine Erklärung für die Entstehung des Amazonen-Mythos sein. Seit nahezu 3000 Jahren besteht dieser Mythos, und er ist erstaunlicherweise in verschiedenen Teilen der Erde angesiedelt.

Das Historische Museum der Pfalz in Speyer hat es unternommen, in einer einzigartigen Ausstellung einen Überblick über die Amazonenthematik zu geben, die bis in die Gegenwart reicht. Dies spiegelt sich auch in dem aufwendigen Begleitbuch wider, das eine fundierte Zusammenfassung der Geschichte der Amazonenrezeption darstellt.

„Es war uns ein Anliegen, ...die verschiedensten Überlegungen, Fragestellungen sowie Vorstellungen zum Thema ,Amazonen’ und damit in Zusammenhang stehenden Gegenständen, Hinterlassenschaften und Quellenerzeugnissen aus antiker und nachantiker Zeit in ganzheitlicher interdisziplinärer Weise zusammenzutragen, zu diskutieren und damit einen kulturgeschichtlichen Gesamtentwurf zu skizzieren“, schreibt Professor Alexander Koch, der Direktor des Historischen Museums zur Einführung. Kein Zweifel, das ist hervorragend gelungen. Die Ausstellung kann, zumindest in Deutschland, den Anspruch eines musealen Centenar-Ereignisses erheben. Freunde der Zweikampf-Szene können zum Vergleich allenfalls die Galerie der Starken Frauen heranziehen, eine Wanderausstellung, die erstmals 1995 im Hessischen Landesmuseum zu Darmstadt gezeigt worden ist.

Ein etwa zweistündiger Rundgang durch die Ausstellung „Amazonen – geheimnisvolle Kriegerinnen“ vermittelte eine Chronologie der Amazonengeschichte. Sie beginnt mit Homer, in dessen Ilias ums 8. Jahrhundert v. Chr. erstmals schriftlich von den „männergleichen“ Amazonen die Rede ist; anzunehmen ist, daß der Mythos weit älter ist. Pindar, Herodot und Lysias lassen die Amazonen zu Pferde und mit Eisen bewaffnet erscheinen. Antike Autoren lokalisieren sie im Norden Kleinasiens. Die Ausstellungsmacher in Speyer haben es verstanden, Realität und Mythos miteinander zu verbinden. Dem mythischen Tod der Amazonenkönigin Penthesilea und der literarischen Umdeutung durch Heinrich von Kleist ist Raum gewidmet, ebenso wie Theseus und Antiope sowie der Herakles-Sage, in der dieser als neunte Prüfung das Wehrgehänge der Amazonenkönigin vorzuweisen hat. Bilder auf Amphoren und Skulpturen belegen diese Sagenwelt, wobei das Amazonenbild der antiken Kunst griechische, skythische oder orientalische Varianten hat. Realität ist, daß Athen in der Kunst seinen Sieg über die Amazonen feierte, diese aber nur im Mythos Athen belagert hatten. Die Amazonen bildeten eine mythische Gegenwelt zur attischen Geschichte und zum griechischen Alltag. Unter den Exponaten befand sich ein außergewöhnlich seltenes Rüstungsfragment, ein Bronze-Panzer mit Amazonendarstellungen. Die Streitlust, die den Amazonen unterstellt wurde, hinderte sie nicht daran, Städte zu gründen. Mehrere griechische Städte in der heutigen Türkei prägten Münzen, auf denen Amazonen als Städtegründerinnen zu sehen sind. Die Vorstellung von Schrecken verbreitenden Kriegerinnen hinderte die Griechen nicht daran, die Amazonen sehr positiv darzustellen. Im Artemision zu Ephesos, dem größten Tempel der Antike, waren Bronzestatuen von Amazonen aufgestellt, die von den damals berühmtesten Bildhauern gestiftet worden waren. Kopien davon waren bei den Römern verbreitet. Die drei Typen waren in Speyer ausgestellt; die Besucher konnten wie in der Antike wählen, welcher Statue sie den ersten Preis zubilligen würden. Mehrfach waren die Museumsbesucher in das Museumskonzept eingebunden.

Die Ausstellung in Speyer bedeutete auch eine Bestandsaufnahme der aktuellen Grabungen. Die hier ausgestellten Fundstücke von Schmuck und Alltagsgegenständen weiblicher Krieger überraschten und faszinierten die Besucher. Gleichzeitig hat man in Speyer versucht, offene Fragen zu beantworten, insbesondere über die Verortung der Amazonen. In der Antike sind sie grundsätzlich immer jenseits der griechischen Einflußgebiete beheimatet; sobald sich ein Einflußgebiet ausdehnte, verlagerte sich auch das Land der Amazonen. „Allen Überlieferungen gemeinsam bleibt, daß die Amazonen letztendlich in den Gebieten der Skythen verortet werden und sich dort ihre Spuren im Laufe der Geschichte verwischen“, lesen wir im Begleitbuch. Die skythische Geschichte und Kultur nahm daher den gebührenden Platz ein. Exponate illustrierten die Lebenswelt der weiblichen Steppennomaden. Grabhügel, so schreibt Professor Renate Rolle, die insbesondere den Grabungsteil behandelt hat, bilden im Land der Skythen eine unverkennbare Besonderheit der historisch gewachsenen Landschaft. Die Grabbeigaben zeugen von hoher Kunstfertigkeit. Insbesondere das Entgegenkommen ukrainischer Wissenschaftler ermöglichte die Vielfalt und Qualität der in Speyer – manche erstmals – gezeigten Grabfunde. Spezielle Untersuchungen widmeten sich der Bewaffnung und möglichen Kampfweise skythischer Kriegerinnen sowie dem Thema Frauen und Pferde.

Mythische und reale Spuren der „geheimnisvollen Kriegerinnen“ sind fast über die ganze Welt verbreitet, insbesondere in Asien, Europa, Südamerika und Afrika. Neue Untersuchungsmethoden haben zuweilen zu einer Neubewertung von Funden geführt, so bei den Kriegergräbern in Niederstotzingen bei Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg), wo die Skelette nun eindeutig bewaffneten Frauen zugeordnet worden sind. Der Mythos der Amazonen scheint auch in der Spätantike und im frühen Mittelalter viele männliche Autoren fasziniert zu haben. Künstler und Literaten befaßten sich mit der Fürstin Libussa und den böhmischen Amazonen; Smetanas Oper Libussa wird jeweils am tschechischen Nationalfeiertag aufgeführt. Amazonen tauchen auf mittelalterlichen Weltkarten auf, und sie prägen auch das Bild des neuentdeckten Kontinents Amerika. Die weibliche Schutztruppe der Könige von Dahomey avancierte zu Amazonen; schließlich wurden Angehörige oder schlechthin Frauen aus Dahomey oder anderen Teilen Afrikas als „Amazonen-Corps“ auf Jahrmärkten oder in Zoologischen Gärten gezeigt. Das Zeitalter der starken Frauen begünstigte die Amazonen in der Literatur. Adelige Frauen liebten es im 17. und 18. Jahrhundert, sich als Amazonen darstellen zu lassen. Während der Französischen Revolution wurden Frauen, die sich bewaffnet an der Volksbewegung beteiligten, Amazonen genannt; verschiedentlich bildeten sich bewaffnete Frauenformationen. Amazonenmotive ziehen sich durch die Kunst der Neuzeit, von Peter Paul Rubens über Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Bertel Thorvaldsen, Honoré Daumier, August Karl Eduard Kiss und Franz von Stuck bis zur Art Déco, zu Max Slevogt, Pablo Picasso und Salvatore Dali.

Mit der Comic-Serie All Star Comics gewannen die Amazonen 1941 Anschluß an die Populärkultur. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, als Reiterinnen ihren Kampf um Ebenbürtigkeit begannen, werden insbesondere Springreiterinnen als Amazonen bezeichnet. Damit endet das Amazonen-Panorama. Real umfaßt es auch Kampfsport treibende Frauen; doch dieser Schritt erschien den Verantwortlichen wohl zu unseriös. Wenn man an die Schulklassen im Historischen Museum denkt, wäre dies wahrscheinlich pädagogisch zu gewagt gewesen. Dennoch gibt es ein Bindeglied: Im Literaturverzeichnis des Begleitbuches ist auch das einschlägige Werk von Pierre Samuel genannt, „Amazonen und Kraftfrauen“ (1979), in dem ausführlich die damalige Szene ringender Frauen behandelt ist.

W. S.

Foto: Historisches Museum der Pfalz

Amazonen – geheimnisvolle Kriegerinnen, Sonderausstellung im Historischen Museum zu Speyer, vom 5. September 2010 bis zum 13. Februar 2011. Gleichnamiges Begleitbuch, Edition Minerva, München 2010. 28,5 x 24,5 cm, geb., 308 S., 29,80 Euro, ISBN 978-3-938832-62-2


Bettie Page - ein Nachruf


Einer breiten Öffentlichkeit ist Marilyn Monroe sicher bekannter geworden; doch das schärfere Profil als Model einer Subkultur, die von ihr nachhaltiger als von anderen geprägt worden ist,  hat Bettie Page. Sie war in den fünfziger Jahren das erste bekannte Pin-up-Model und in den Sechzigern das erste bekannte Bondage- und Fetischmodel. In Wikipedia, der freien Enzyklopädie, wird sie als eine der meistphotographierten Frauen der fünfziger Jahre bezeichnet. Bettie Page ist am 11. Dezember 2008 in Los Angeles im Alter von 85 Jahren gestorben; sie erlag nach einwöchigem Koma den Folgen eines Herzinfarktes. Die Szene der Amazonenfreunde hat allen Grund, um sie zu trauern.

Dabei ist sich Bettie Page ihrer Bedeutung für den erotischen Underground in den USA, ja, später der Welt, wohl nie bewußt gewesen. Dazu hat beigetragen, daß sie sich in späteren Lebensjahren ihren religiösen Neigungen zuwandte.

Bettie Page, am 22. April 1923 in Nashville, Tennessee, geboren, wollte ursprünglich Lehrerin werden, strebte dann aber zur Bühne. Zu diesem Zweck ging sie 1950 nach ihrer ersten Ehe nach New York, schaffte jedoch wegen ihres starken  Südstaatendialektes den Sprung auf die Bühne nicht. Stattdessen geriet sie durch einen Zufall in die Szene der Pin-up-Photographie, wo sie sich dank ihrer natürlichen Art und ihrer Freizügigkeit rasch einen Namen erwarb. Dabei lernte sie auch Irving Klaw kennen, einen Photographen, der sich auf Fesselungs- und sadomasochistische Motive spezialisiert hatte. Mit diesen Praktiken, die sie unbefangen darstellte,  hat sie sich jedoch nie identifiziert. In dieser Zeit, den sechziger Jahren, entstanden auch Frauenringkampffilme; im Gegensatz zu späteren Fakes in Zeitschriften hat Bettie Page tatsächlich gekämpft. Wohl die meisten dieser Super-8-Filme sind nach Beschlagnahmen vernichtet worden. Es war die Zeit der politischen und der sexuellen Repression in den USA, politisch des Kommunistenfressers McCarthy, auf sexuellem Gebiet die Zeit der Verfolgung durch eine nach dem Abgeordneten Kefauver benannte Schnüffel-Kommission, die  Irving Klaw in den finanziellen und menschlichen Ruin trieb. Photos von Kampfszenen sind dann 1984, als sich längst die Liebhaber der Szene formiert hatten und einen Markt darstellten,  von Triumph Studios in einer Broschüre "The Battling Bettie Page" veröffentlicht worden; sie wird höchstens noch antiquarisch zu Liebhaberpreisen gehandelt.

Auf Irving Klaw ist Betties Pagenfrisur zurückzuführen, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. Cartoonisten werden ihr dafür dankbar gewesen sein.  Auch bei dem Großmeister des Bizarren, Eric Stanton, taucht ihr charakteristischer Pagenkopf auf.  Wohl als Folge der Nostalgiewelle bildete sich in den achtziger Jahren ein regelrechter Bettie-Page-Kult heraus. Doch da hatte sie sich längst zurückgezogen, widmete sich der Bibelarbeit und gestattete nicht, sie zu photographieren.

Mit ihren freizügigen Aufnahmen hat Bettie Page  die heimliche Pin-up-Photographie öffentlich gemacht und dadurch in den USA zu einem etwas gelockerten Umgang mit erotischen Darstellungen beigetragen. Dies gilt auch für die Darstellung sadomasochistischer Praktiken, die schließlich sogar die Mode beeinflußt haben. Ihre Catfight-Filme waren vermutlich die ersten, die kommerziell für die Liebhaber des Frauenkampfes hergestellt worden sind.  Selbst die Photos davon haben heute den Charme des klassischen Catfights, den Hauch eines heimlichen Voyeurismus, den Charme einer naiven Verruchtheit, die Patina angesetzt hat.

Von Kindheit an war ihr Leben eines mit Brüchen; doch es war ein Leben, das sich niemals in der Anonymität des Durchschnitts verlieren wird.

W. S.

Blick zurück - TAC

Neulich ist in einem Forum die Frage gestellt worden, ob man nicht den TAC wiederbeleben könne.

Ein Blick zurück: Der TAC war gewissermaßen eine Genossenschaft, bestehend aus acht bis neun Personen. Einige davon kannten sich noch aus den Zeiten von BEKA München während der achtziger Jahre. Unsere Kontakte festigten sich durch DWW und die unvergeßlichen Veranstaltungen in Wien, in Brünn und in Ungarn. In Deutschland trafen wir uns beim SportRing, der Initiative von Gert, der ebenfalls  dem TAC angehörte. Für die Produktionen dort suchten wir den Kontakt zu der inzwischen zweimal verkauften BEKA, später AS-Film. So kam es, daß die Medien mit den späteren SportRing-Produktionen dort zu haben sind. Dennoch, wir strebten Eigenständigkeit an, die man auf den Nenner bringen kann: Professionalisierung, jedoch privater Charakter des Kreises. Wir gründeten auf einem Treffen bei Stuttgart "The Amazons Club" (TAC). Es wäre nicht zur Gründung gekommen, wenn nicht einer von uns die Initiative ergriffen hätte. Es war Kay, der schon deshalb seit Jahren aktiv war, weil seine Freundin und spätere Ehefrau selbst die Ringkampf-Herausforderung suchte.  Eine Genossenschaft waren wir deshalb, weil jeder von uns, wenn auch formlos, investierte. Unser Bestreben war es, Gewinne durch den Filmverkauf komplett wieder in Veranstaltungen zu investieren, denn jeder von uns bestritt seinen Lebensunterhalt auf andere Weise. Diese Veranstaltungen hatten, wie uns immer wieder  bestätigt worden ist, Charme. So hätte es, trotz  anonymen Denunziationen, die sich aber als Schuß in den Ofen erwiesen, weitergehen können, wenn nicht Kay von einer tückischen Krankheit ereilt worden wäre, der er im März 2007 erlag. Nach Überwindung des Schocks berieten wir über die Zukunft des TAC. Keiner von uns war bereit, Kays Arbeit zu übernehmen, war er doch Planer, Organisator, Moderator, Kameramann, Produzent  gewesen und hatte zusammen mit seiner Frau  auch den Vertrieb besorgt. Schweren Herzens entschlossen wir uns, die Aktivität des TAC einzustellen, schon um nicht weiterhin steuerlichen Verpflichtungen unterworfen zu sein.

Eine formelle Auflösung des TAC hat nicht stattgefunden. Allerdings können wir aus steuerlichen Gründen unser Material nicht mehr kommerziell nutzen. Anfragen sind daher zwecklos. Sollte jedoch ein Interessent, wenn nicht gar ein Mäzen die Szene betreten, wären wohl die meisten von uns ehemals acht  - wenn auch bei bescheidenerem finanziellen Engagement - bereit, uns in einem neuen TAC-Stadium zu engagieren.

Das ist die Situation. Vorläufig bleibt der TAC eine Erinnerung, eine, die wir nicht missen möchten.

W. S.