Kampfes Lust

Was versteht man unter einem Catfight?

Der folgende Text war ursprünglich als Entwurf  für das Stichwort „Catfight“ in der deutschsprachigen Internet-Enzyklopädie Wikipedia gedacht. Bei kritischer Durchsicht bin ich jedoch zu der  Ansicht gelangt, daß der Text den lexikologischen Anforderungen nicht genügen kann. Eine Umarbeitung und vor allem die notwendige Kürzung würden jedoch Elemente entfernen, auf die es mir ankam, nämlich den Bedeutungswandel des Begriffs  und seine Konnotation innerhalb der  Amazonen-Szene deutlich zu machen. Daher sollte man diesen Text besser als einen informatorischen Essay betrachten. 

Unter dem angloamerikanischen Begriff Catfight sind körperliche oder verbale Auseinandersetzungen unter Frauen zu verstehen. Ihm liegt die sexistische Vorstellung zugrunde, daß Frauen, häufig mit Katzen verglichen,  im Zweikampf beißen, kratzen und an den Haaren ziehen. Entsprechend sind in der Erotik-Szene der Frauenringkampffreunde (Amazonenfreunde) Ringkämpfe, die  scheinbar ohne Regeln ausgetragen werden, als Catfights bezeichnet worden. Der Begriff ist jedoch einem Bedeutungswandel unterlegen.

Ethymologie und Geschichte

Der tiefenpsychologische Hintergrund der Bezeichnung Catfight ist, daß die Katze „wegen ihrer geschmeidigen Bewegungen, ihrer Anschmiegsamkeit und ihrem weichen Fell...  geradezu zum Symboltier der Frau“1 geworden ist. Für die alten Ägypter war die Katze ein heiliges Tier, erst vom 12. Jahrhundert an wurde sie verteufelt. Der Bußprediger Berthold von Regensburg wetterte in der Mitte des 13. Jahrhunderts: „Darum heißt der Ketzer ein Ketzer, weil er der teuflischen Katze gleicht in seiner Falschheit“ (zitiert nach Ludwig Knoll).  „Die Worte Kätzchen, englisch ,Pussy‘, französisch ,Minette‘ und der Katzen-Kosename ,Muschi‘ wurden zur Umschreibung für das Schamhaar-Dreieck und die äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Von hier aus ist auch die französische Bezeichnung ,faire minette’ als Bezeichnung für den Cunnilingus zu verstehen.“ 2 Madame Chauchat in Thomas Manns "Zauberberg", die erotische Verführung des Romanhelden Castorp, leitet sich von chaud chat (heiße Katze) ab. Die sexuelle Note schwingt untergründig in dem Begriff „Catfight“ mit und hat daher vermutlich zu dessen Popularisierung beigetragen. Ursprünglich war die Bezeichnung mit Sicherheit sexistisch geprägt, nämlich von dem Argwohn gegen die „Falschheit“ der Frau. 

Der Terminus ist 1824 in das Oxford English Dictionary aufgenommen worden,3 und zwar als Titel „The Cat-Fight: A Mock Heroic Poem“ von Doctor Ebenezer Mack, hatte jedoch noch keinen Bezug zu Frauenkämpfen. Die aktuelle Ausgabe des Oxford English Dictionary enthält den Begriff nicht. In der englischen Vulgärsprache ist das Wort Katze von alters her als Synonym für eine boshafte, insbesondere weibliche Person benützt worden. 1854 soll mit catfight erstmals ein Kampf zwischen Frauen bezeichnet worden sein. (sollte noch recherchiert werden).  In deutsche Wörterbücher (Wahrig, Duden) hat der von Moralisten offenbar als degoutant empfundene Begriff  noch nicht Eingang gefunden, ebensowenig wie in anderssprachige. Mit dem vermehrten Aufkommen  organisierter Frauenringkämpfe zu kommerziellen Zwecken  etwa von den sechziger Jahren an hat sich der Begriff catfight immer mehr von seinem sexistischen Ursprung entfernt und wird zumindest wertneutral gebraucht, wenn er nicht sogar als Faszinosum wirkt. 

Arrangierte Catfights in engerem Sinne waren zunächst  Kämpfe, die in zumindest angedeuteter konventioneller Kleidung, wozu Hosen auf keinen Fall zählen durften, ausgetragen wurden. In gewerblich hergestellten Filmen für Amazonenfreunde waren sie eingebettet in eine - mit Rücksicht auf die Erwartungshaltung - möglichst kurze Spielhandlung. Sie ist kongruent mit dem Begriff des Apartment wrestling, der nur noch in der Literatur der privaten Frauenringkampfszene aufscheint. Im Kampfverlauf rissen dann die Kämpferinnen einander die Kleidung vom Leibe. Darin zeigt sich der fetischistische Aspekt des Catfights für männliche Zuschauer. Da es sich erwies, daß für die Rezipienten die dramaturgische Begründung eines scheinbar regellosen Kampfes immer weniger eine Rolle spielte, wurden häufig die äußeren Merkmale eines Catfights (Rollenspiel, Strip-Fight)  weggelassen. Der Catfight als Kategorie des privaten (meistens kommerziell arrangierten) Ringkampfes unterscheidet sich heute vom regulären  Pin-and-Submission-Kampf (Sieg durch Festhaltegriff oder Aufgeben der Unterlegenen) häufig allein durch Haareziehen und gespielte Aggressivität. Catfights werden seit Jahren überwiegend wie reguläre Kämpfe im String topless oder gelegentlich auch nackt ausgetragen.

Auch darin hat sich der Bedeutungswandel des Begriffs Catfight abgezeichnet.  Im Zuge der begrifflichen Ausweitung werden auch verbale und soziale  Auseinandersetzungen von Frauen in Rivalität untereinander als catfight bezeichnet.4  In ihrem Stück „The Women", 1936, deutsch: "Damen der Gesellschaft“, läßt Clare Boothe Luce einen solchen Rivalitätskampf in einem realen Catfight kulminieren. "The Women" ist erstmals 1939 verfilmt worden. 1940 ist der Begriff noch mit "Katzenkampf" übersetzt worden, zitiert im Programmheft einer deutschen Inszenierung im Jahr 1998. 

Umgangssprachlich ist Catfight zum Oberbegriff des privaten Frauenringkampfs überhaupt geworden, 5 wenngleich dies nach wie vor nicht der realen Differenzierung der Kämpfe in der Szene des privaten Ringkampfs und der Filmproduzenten entspricht. 

Der Begriff Catfight ist nicht mehr von der historischen Entwicklung des Zweikampfes unter Frauen und deren Rezipienz zu trennen; er stellt nur dessen zeitgenössische Ausprägung dar. Die Geschichte kämpfender Frauen zieht sich von den historisch nicht einwandfrei verbürgten Amazonen, die jedoch in mehreren Kulturen vorkommen,6 über die Kunde von Frauenkämpfen in anderen Kulturen und über englische Boxerinnen im 17. und 18. Jahrhundert bis zum Auftreten von Frauen  in dem insbesondere im 19. Jahrhundert sich in Frankreich fortentwickelnden Ringkampfsport. Öffentliche Kämpfe fanden in Varieté-Theatern und ähnlichen Etablissements statt. Bereits von Anfang des 20. Jahrhunderts an  bereisten Damenringkampfgruppen, später auch boxende Frauen, viele deutsche Städte. Analog zur Entwicklung des Berufsringkampfes im freien Stil – Catch as catch can – traten in den zwanziger Jahren und auch wieder in den sechziger und siebziger Jahren Catcherinnen auf.

Parallel zum Schausport wurde Frauen-Ring- und Boxkampf auch in privaten Zirkeln betrieben, verbürgt teils durch mündliche Überlieferung teils durch Zeitungsartikel und Photo- und Filmaufnahmen.  Bekannt sind zwei deutsche Gruppierungen aus den dreißiger Jahren. Bereits früher rangen Frauen nicht allein aus sportlichen Motiven miteinander. 

Erst dem Zeitalter der relativen sexuellen Befreiung blieb es vorbehalten, daß sich etwa von den siebziger Jahren an mit Live-Kämpfen und Filmproduktionen  einerseits und privaten Zirkeln andererseits eine Erotik-Szene gebildet hat, in der Frauen, wenn auch meistens gegen Honorar, miteinander ringen und  Männer dabei ihre Triebneigung, in anfechtbarer Terminologie: voyeuristisch,  ausleben können. Diese Neigung manifestiert sich bei einem Teil auch in sogenannten Mixed-Kämpfen, die entgegen naheliegenden Verdächtigungen sportlich fair ablaufen, schon weil die meisten Mixed-Kämpfer dominiert werden möchten. 

Situation und Einordnung  

Die gegenwärtige Situation ist durch außerordentliche Vielfalt gekennzeichnet, so daß selbst die Definition einer Szene in Frage gestellt ist. Das Internet hat zu einer Community geführt, die jedoch nicht den Anspruch einer Repräsentanz aller Amazonenfreunde erheben kann. Während noch in den sechziger und siebziger Jahren jede Kampfvorführung willkommen war, auch die der weiblichen Catcher-Spektakel, und in den achtziger Jahren auch die Turniere im weiblichen Ringkampf nach den Regeln des Ringer-Dachverbandes FILA, das sogenannte olympische Ringen, findet heute jedermann seine spezifischen Vorlieben abgedeckt. Sie reichen vom Boxkampf, der im Fernsehen übertragen wird, bis zum topless ausgetragenen Pin-and-Submission-Kampf, vom Öl- oder Schlammringen bis zum hoch aggressiven Extremkampf in Form einer Kombination von Boxen und Ringen, vom betont sportlichen Ringkampf im Badeanzug, dem sich auch die FILA mit dem Beach-Wrestling geöffnet hat, bis zum Nacktkampf.  Zwar befürchten viele noch immer, gesellschaftlich als „pervers“ gebrandmarkt zu werden, sobald ihre Vorliebe öffentlich würde; aber die Gesellschaft scheint, nachdem boxende Frauen als Fernsehquotenbringer entdeckt worden sind, auch akzeptiert zu haben, daß Frauen auf die Matte gehen und Männer daran Gefallen finden. Daran haben auch reißerische Zeitungsmeldungen im Jahr 2006, mit denen eine harmlose Ringkampfveranstaltung in Belgien zum Sittenskandal aufgebauscht werden sollte, nichts ändern können. Die Wahrnehmung des privaten Frauenringkampfs durch Medien heute entspricht noch der Wahrnehmung des gesamten Frauensports in den zwanziger Jahren durch Medien und männliche Sportfunktionäre.

Psychiatrisch ist die Vorliebe, fast unbekleidete Personen des anderen oder, je nach sexueller Orientierung, eigenen Geschlechts beim Ringkampf zuzusehen, nicht als Paraphilie einzuordnen. Fast jeder Sportart ist Erotik immanent, und die meisten Menschen sehen gern anderen Menschen beim Sporttreiben zu. Mit der Sportbekleidung bei manchen Sportarten (Leichtathletik, Beach-Volleyball, Eiskunstlauf, Boxen) wird auf das erotische Moment dabei spekuliert.

Die Praxis des Catfights

Reale Catfights7 ereignen sich gelegentlich an Schulen, in Parties, Diskotheken und als streetfights. Zufällige Filmaufnahmen davon sind ebenso wie Zeitungsberichte über Catfights unter Prominenten  kommerziell vermarktet worden.8   

Bei Catfights auf Veranstaltungen und für Filme zu kommerziellen Zwecken ist die Regellosigkeit inszeniert, was nicht bedeutet, daß der Kampfausgang abgesprochen wäre. Da es den Rezipienten von Catfight-Filmen auf den scheinbar regellosen Kampf ankommt, ist von gewerblichen Filmherstellern die Spielhandlung gänzlich weggelassen worden. Häufig wird auch auf die Entkleidung im Kampfverlauf (Stripkampf) verzichtet. Viele Catfights unterscheiden sich von den üblichen Ringkämpfen im Pin-and-Submission- Stil nur noch dadurch, daß Haareziehen praktiziert wird, und durch den schauspielerischen Ausdruck von unkontrollierter Aggressivität. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage ist dies für 60 Prozent der Rezipienten  am wichtigsten, übertroffen von 65 Prozent, die den Angriff auf die Brüste lieben. Über die Hälfte mag „Crotch“-Attacken, also Angriffe in der Genitalgegend.9 Im Catfight ist zwar angeblich alles erlaubt, selbst Beißen, was jedoch allenfalls nur angedeutet wird, aber sobald ein Catfight tatsächlich zu eskalieren droht, wird er erfahrungsgemäß vom Veranstalter oder Organisator abgebrochen. Da der Kampf  Showcharakter hat, nehmen die Kämpferinnen von sich aus meistens Rücksicht aufeinander. Das „hair pulling“ vollzieht sich so, daß es nicht weh tut. Grimmigkeit wird gespielt; dennoch geht es nicht selten hart her, insbesondere dann, wenn eine Kämpferin wenig Erfahrung in der Schauspielerei hat und an den Haaren zieht, ohne den Kopf stützend zu sichern. Zuschauer organisierter  Catfights gewinnen den Eindruck, daß es den Mädchen Spaß macht, Aggressivität ohne Bindung an Regeln, jedoch ohne die Absicht der Schädigung, auszuleben. Catfights enden häufig mit einer Siegerpose.

Rezeption in Kunst, Literatur und Unterhaltung

Nicht wenige Bildhauer und Maler haben kämpfende Frauen dargestellt. Hans Baldung Grien symbolisiert in der auf dem Philosophen Aristoteles reitenden Phyllis die masochistische Unterwerfung des Mannes. Kleinplastiken ringender Frauen gibt es im Rokoko wie im 19. und 20. Jahrhundert. Ein beliebtes Motiv für Künstler waren die auf Lykurg zurückzuführenden Ringkämpfe spartanischer Mädchen in der Antike. Wahrscheinlich am bekanntesten ist das Gemälde „Petite filles Spartiates provoquant les garçons“ von Edgar Degas, um 1860. Bilder wie von Auguste Renoir „Trois bagneuses au crabe“, um 1897,  oder Egon Schieles   „Zwei Modelle, in verschränkter Stellung liegend“, 1915,  lassen in den Titeln nicht erkennen, daß es sich tatsächlich um Balgereien handelt. Manche Künstler wie Rudolf Schlichter, „Balgende Frauen“, um 1928, haben sich durch Catfights von Prostituierten inspirieren lassen. Der zeitgenössischen Szene am nächsten steht Eric Stanton, der Zeichner des Bizarren, mit seinen Catfights.10

Auch die Literatur ist an dem Sujet des Frauenkampfes nicht vorbeigegangen. Frauen-Rivalität ist schon eines der zentralen Themen des mittelhochdeutschen Epos „Nibelungenlied“.11 Dem Anhang "Zweikampf in literarischen Zeugnissen" in "Kampfes Lust" sind hinzuzufügen: "Der Totschläger" von Emile Zola (1877) und "Die schöne Anni" von Eugen Roth in "Ernst und heiter" (1961). Zwei zeitgenössische Romane und ein Band mit Kurzgeschichten befassen sich ausschließlich mit privatem Frauen-, bzw. Mixedkampf. 12

In einem der ersten Erotikfilme der Wiener Saturn traten 1907 weibliche Ringkämpfer auf. In dem 1939 gedrehten Spielfilm „Der große Bluff“, einer Western-Komödie in der Reihe der Destry-Filme, ist ein Catfight, ausgetragen zwischen den Darstellerinnen Marlene Dietrich und Una Merkel, ein dramaturgischer Höhepunkt. In den sechziger und siebziger Jahren setzte ein regelrechter Boom von Filmcatfights ein.  Beliebtes Ambiente waren weibliche Urgesellschaften, Mädchen-Internate und Frauengefängnisse. Roller-Derby  und später Boxen („Girlfight“, 2000), setzten weitere Akzente. Auch in den  Blaxploitation-Filmen, einem US-amerikanischen Filmgenre, das den Markt der farbigen Zuschauer bediente und in den siebziger Jahren seine Blütezeit hatte – einer der farbigen Stars war  Pam Grier –, lag es nahe, daß körperliche Auseinandersetzungen eine Rolle spielten. Zu einem Kultfilm der Catfight-Freunde avancierte der James-Bond-Film „From Russia with Love“, 1964. Pro-Wrestling,  früher Catchen genannt, bestimmt die Handlung von „All the Marbles“, 1981. Ein 1983 erschienenes Verzeichnis mit Inhaltsangaben, Szenenbildern und Anzeigen enthält 765 Kinofilme; die europäischen Produktionen sind darin unterrepräsentiert.13

Selbst in die Musik hat der Begriff Catfight Einzug gehalten. Die Sugababes haben eines ihrer  Alben „Catfights and Spotlights“ genannt. (Kompetente Interpretation gesucht!)  

Literatur

Ernst Schertel: „Amazonismus“ in „Fetisch und Fantasie“. Nachdruck der 1933 untergegangenen Originalausgabe,  von der etliche Textpassagen verschwunden sind (daher Text-Abbruch auch beim Nachdruck). Ohne Paginierung. Hamburg o. J.  (wahrscheinlich 1973). (Dr. Schertel versteht unter dem von ihm eingeführten Begriff  „Amazonismus“ „die Vergewaltigung des Mannes durch das Weib zum Zwecke des Samenraubs“.  Anlaß seiner Studie war der Maler und Architekt Hans Wassmann, der eine große Zahl von Zeichnungen ringender Amazonen geschaffen hat, die einander mit dem Dildo vergewaltigen. Wassmann selbst hatte seine Lustempfindung durch einen Zweikampf mit einer Frau entdeckt, die schließlich die Initiative zum Geschlechtsverkehr ergriff.  

E. F. Cherrytree (Ps. für einen amerikanischen Schauspieler, Indiana):   „Hello out there!“  Evergreen Review Nr. 50, 1967. Deutsch „Hallo Freunde!“ in Hrsg. Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla:  „Acid. Neue amerikanische Szene“. Seite 309. 422 S.  Frankfurt a. M. 1969/ 1975, Lizenzausgabe Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-15260-6. (Cherrytree beschreibt in literarischer Qualität seine Obsession, kämpfende Frauen zu sehen und fügt die eigene, von ihm selbst illustrierte Schilderung eines klassischen Catfights ein: „Laura und Marie“). 

Pierre Samuel: „Amazones, Guerrieres et Gaillardes“. Brüssel 1975. Deutsch: „Amazonen, Kriegerinnen und Kraftfrauen“. 363 S. München 1979. ISBN 3-88167-043-2. (Samuel, Mathematikprofessor an der Universität Paris-Sud,  unternimmt im dritten Teil einen Streifzug durch die Geschichte der Kraftfrauen bis zu Erscheinungen der Gegenwart und erwähnt in damals großer Offenheit auch ringende und boxende Frauen).

Doris Masius (Ps.): „Die Boxerin“. Roman. Zürich 1996. ISBN 3-9520850-4-9. (In Form einer Autobiographie schildert die Autorin vor dem Hintergrund einer fiktiven privaten Kampf-Szene ihre Ring- und Boxkämpfe; sie beschreibt, „wie sie die Scheu ablegte, als Frau sich selbst gegenüber zuzugeben, im Austausch von Aggressionen mit Frauen und Männern Lust zu verspüren“ - Klappentext).     

“Erotic Combat and Gender Heroics”  in Gloria G. Brame, William D. Brame, Jon Jacobs:  „Different Loving. The world of sexual dominance and submission”. 539 S. London 1997. ISBN 0-71-267792-5.

Rainer Maria Ringer (Ps.): „Catfight!. Ein Lesebuch für Fans.“ Berlin 2002. 251 S. ISBN 3-8311-2975-4. (55 Kurzgeschichten von literarischer Qualität, die alle den handgreiflichen Kampf unter rivalisierenden Frauen zum Thema haben).  

Werner Sonntag: „Kampfes Lust. Über die Erotik der Körperbegegnung im Zweikampf -  Beschreibung einer Szene - Wenn Frauen kämpfen und Männer zuschauen: Emanzipation, Stimulation, Obsession?“ 662 S., etwa 200 z. T. historische Abbildungen. Ostfildern 2002. ISBN 3-9802835-2-6. (Eine Kulturgeschichte des Zweikampfes und seiner erotischen Dimension, eine sexualwissenschaftliche Studie unter verschiedenen, insbesondere psychologischen Aspekten, mit umfangreicher Quellensammlung. Auch der Catfight als spezifisch weiblicher Ausdruck von Rivalität wird untersucht). 

Carsten Brieger: „Wrestling-Girls und Bistrowagen“.234 S. Hamburg, 2002. ISBN 3-934476-04-X. (Ein stark autobiographischer Roman über die Leidenschaft des Autors, mit Frauen zu ringen. Eine Hommage an starke Frauen und die Eisenbahn).

 



1 Ludwig Knoll: „Kulturgeschichte der Erotik“, Band 5,  S. 1148f. Der Katzenvergleich tritt auch in dem Begriff Catwalk für Laufsteg zutage. Der Musical-Titel „Cats“ spricht für die Attraktivität des Katzenvergleichs.

2 Ebenda.

3 Wikipedia.com, Stichwort: Catfight.

4 Leora Tanenbaum: “Catfight. Women and Competition”, 2002.

5 Die deutschsprachige Website catfightfans, vormals catfightworld, wendet sich an alle Freunde des weiblichen Zweikampfes. Die Firma Classic Catfights produziert überwiegende Filme mit Kämpfen nach Pin-and-Submission-Regeln. Die Verwendung des Wortes Catfight in der Popmusik deutet darauf hin, daß der Begriff außerhalb der Szene als Reizwort betrachtet wird.

6 Die gegenteilige Ansicht vertreten Pierre Samuel in „Amazones, Guerrieres et Gaillardes“ sowie feministischen Kreisen nahestehende Historikerinnen, die sich durch neuere archäologische Funde bestätigt sehen.  

7 “Real Catfights”, USA Publications, 1995.

8 “ Female Fights that Made Headlines”, Triumph Studios, 1983.

9 “Kampfes Lust”, 2002.

10 “Family Affair”, 1975, und andere.

11 “Kampfes Lust” enthält in einem umfangreichen Anhang ohne den Anspruch der Vollständigkeit eine Dokumentation des Zweikampfes in literarischen Zeugnissen.

12  Siehe Literaturverzeichnis.

13 “Female Fights in the Cinema”, London Enterprises Limited and Triumph Studies, 1983. Eine Fortsetzung “Female Fights on Television”, 1984, enthält auch weitere Kinofilme.  


Rivalität:

Kriemhild und Brünhilde

Wer Frauen kennt, erkennt, er kennt sie nicht, so er ein Mann ist. Männer sind durchschaubar. Im Prinzip jedenfalls, denn kein Mann ist nur männlich, keine Frau nur weiblich. Auch in gleichgeschlechtliche Beziehungen spielen die eigenen gegengeschlechtliche Anteile hinein.

Ein Exkurs, bevor wir zum Thema kommen: Wenn wir an unsere kindliche Sexualität zurückdenken - christliche Verbohrtheit hat sie bei den unschuldigen Kindlein geleugnet -, so brauchten wir zur Lustgewinnung das andere Geschlecht nicht. Wir hatten das eigene. Gleiche Bedürfnisse führten, wenn es gut ging, zu gleichgeschlechtlicher Erfüllung. Dann aber trennten sich die Wege. Die einen vergaßen, daß sie der eigene oder ein anderer Körper gleichen Geschlechts einmal erregt hatte, die anderen bekannten sich als Schwule. Es war die Gesellschaft, die vorwiegend Männer zu einer Entscheidung zwang. Die Griechen zum Beispiel kannten sehr wohl eine Differenzierung: Knaben wurden von Älteren geliebt, aber nach der Pubertät - manche definieren: nach der Behaarung - hatte das aufzuhören, der Ephebe reifte zum Mann und heiratete, schon der Nachkommen wegen. Das hinderte ihn nicht, nach der heterosexuellen Phase seinerseits Knaben zu lieben (die historische Reminiszenz ist kein Freibrief für Pädophile). Erst die christlich-jüdische Lebensauffassung erzwang Eindeutigkeit. Die im 19. Jahrhundert entstandene Psychiatrie definierte diese Eindeutigkeit. Richard von Krafft-Ebing führte die „conträre Sexualempfindung“ ein. Was ist an einer Sexualempfindung konträr? Sie ist ganzheitlich. Mit der Psychiatrisierung gab es plötzlich Schwule und Lesben. In der Romantik noch war schwärmerische Zuneigung zum gleichen Geschlecht, auch bei Männern, unverfänglicher Gegenstand der Poesie.

Frauen haben diese von Männern dominierte geistesgeschichtliche Entwicklung nicht mitgemacht, nicht mitmachen können, denn in der Mehrzahl hatten sie in der Gesellschaft nichts zu sagen. Da ihre Zuneigung zueinander sehr viel breiter gefächert ist als bei Männern, konnten sie diese Zuneigung auf die ihnen jeweils gemäße Weise ausleben und auch zeigen. Mädchen können engumschlungen spazierengehen, junge Männer dürfen sich gerade noch im Fußballstadion aus Freude über ein Tor umarmen. Täten sie das abends in der Haustür, gälten sie als schwul, im geringsten Falle als besoffen. Wo eine innige Beziehung bis zur Sexualität weitergeht, wird sie bei Mädchen und Frauen meistens toleriert, von rigiden Eiferergesellschaften wie der pietistisch geprägten in den USA abgesehen. Männer hingegen, die auch andere Männer attraktiv finden, werden als schwul abgestempelt, allenfalls daß sie als „bi“ gelten. Die Tolerierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen unter Frauen hat zu einem Teil, aber eben nicht völlig, mit männlichem Voyeurismus zu tun, wobei dieser Begriff auch wieder hinterfragt werden müßte. Wenn Frauen einander lieben, bedeutet das für Männer keine Konkurrenz; im Gegenteil, sie dürfen als angebliche Voyeure beteiligt sein, ohne selbst heterosexuell aktiv sein zu müssen. Diesem männlichen Bedürfnis verdankt sich die Pornographie.

Männer durften ringen, denn das war Kampf. Männer haben auch privat miteinander gerungen, wie zahlreiche historische Abbildungen belegen; doch die Motivation war sportlicher Natur, eindimensional eben. Heute werden privat ringende Männer nicht einmal in der Szene akzeptiert, von winzigen Ausnahmen abgesehen. Einen Ansatz der sinnlichen Annäherung ohne sexuelle Absicht finden wir neuerdings bei einer Initiative „Beach-Balgen“ (www.pfeilinfo.de). Im allgemeinen aber gilt die Auffassung: Wenn Männer miteinander ringen, dann sollen sie das gefälligst als Neutren tun.

Frauen waren auf ein von Männern entworfenes Frauenbild fixiert; das sah Kampf, selbst in übertragenem Sinne, nicht vor. Doch nicht alle Frauen hielten sich daran, und gerade die „starken Frauen“ faszinierten viele Männer. Frauen boxten und rangen, entweder weil es Geld dafür gab oder weil es ihrem Naturell entsprach, mutmaßlich war beides im Spiel. Nur für Geld allein kann man vielleicht Darstellerinnen, aber keine Ringerinnen gewinnen. Männer- und insbesondere Frauenringkampf wurde im Circus geboten; die circensischen Künste sind sinnliche Künste. Mit dem Aufkommen des Sportbegriffs im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts begann sich der Ringkampf einerseits zu einem in Vereinen betriebenen Leistungsport, andererseits zur Show professioneller Ringer zu entwickeln.

Während sich in der privaten Sphäre männliche Jugendliche und heterosexuelle Männer auf den Ringkampf als Kräftemessen einließen, entdeckten ihn Frauen als relativ unverdächtiges Mittel gleichgeschlechtlicher Körperbegegnung. Beweise für diese Motivation gibt es nach meiner Kenntnis aus dem 19. Jahrhundert nicht, sehr wohl aber seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Motiv war nicht oder höchstens vordergründig das Kräftemessen, sondern vielmehr die haptische Begegnung (haptisch = greifbar, den Tastsinn betreffend), die sinnliche Lust am Kampf, insbesondere am gleichgeschlechtlichen, wie in der Kindheit. Der Kampf mit Männern, als „Kampf der Geschlechter“, war, wo er sich spontan ereignete, bereits Vorspiel im Bett. Die Begegnung unter Frauen hingegen vollzieht sich weniger direkt. Der private Ringkampf bot Frauen jede Möglichkeit, nämlich sowohl der Intensivierung des Kontaktes als auch des unverfänglichen Rückzugs. Anders als bei heterosexuellen Männern ist bei kämpfenden Frauen auf der Matte oder dem Wohnzimmerteppich häufig ein unbewußt erotisches Moment zu vermuten, auch wenn es in den seltensten Fällen artikuliert wird. Wir haben uns einer Frage genähert, in der es keine absolute Wahrheit gibt.

Weshalb wohl ringen Frauen privat, wenn auch in der Szene meistens vor männlichem Publikum? Das sportliche Moment, die Herausforderung? Es ist vorhanden; doch wenn es sich nur um dieses handelte, böte sich eher die Matte im Kraftsportverein an. Dort gibt es einen Trainer, der Griffe demonstriert, sowie den Aufstieg in die nächsthöhere Liga. Ringen im privaten Kreis bedeutet die Entdeckung eigener Möglichkeiten und vordem ungelebter Bereiche. Auf der Ringermatte im Verein entdeckt man, was man kann, im Wohnzimmer oder im Fitnesskeller dagegen, wer man ist. Gewiß gibt es beim privaten Frauenkampf auch das nur emanzipatorische Moment, wie es an der Entwicklung des modernen Frauenboxens abzulesen ist. Frauen ringen, um „sich zu verwirklichen“, ihren Körper zu spüren samt den ihrer Partnerin, und an der körperlichen Auseinandersetzung zu wachsen. Diese Zielsetzung, die Persönlichkeitsentwicklung, hat sich der Münchner Rauftreff auf die Fahnen geschrieben (www.fight-for-fun.org) Dieser Ansatz gilt genauso auch für Männer, die in der Tat beim Rauftreff einbezogen werden; aber er erklärt zu wenig.

Mehr verspricht das sexualpsychologische Denkmodell (das ich in „Kampfes Lust“ zu entwickeln versucht habe). Der spezifische Frauenkampf in privatem Kreis hat seine Wurzeln in der Libido. Frauen entdecken in der körperlichen Begegnung mit anderen Frauen ihre Sinnlichkeit. Es ist eine andere, viel weniger zielgerichtete Sinnlichkeit als im Verhältnis zu Männern. Den Prozeß dabei hat Barbara, die kluge Amerikanerin, auf ihrer leider nicht mehr im Netz befindlichen  Website treffend beschrieben. Frauen stehen einander zum Kampf gegenüber, obwohl sie die andere lieber zur Freundin haben möchten. Den von vornherein aggressiven Kampf gibt es auch, doch er ist gerade für Erstbegegnungen nicht typisch. Zum gemeinsamen Ringkampf in privatem Kreis treffen sich Frauen, die dies nicht deshalb tun, weil sie vielleicht Aggressionen gegen die potentielle Gegnerin entwickelt hätten. Häufig beginnt die Kampfbegegnung, wenn es die erste unter zwei Frauen ist, mit einem Lächeln. Bei Männern undenkbar, es würde albern wirken; der andere ist der Konkurrent, nichts sonst. Es gilt, der Stärkere zu sein. Bei Frauen? Der Weg ist das Ziel, zunächst einmal, - der Kampf als Kommunikationsform des Körpers. Noch während des Kampfes - ich spreche von Erstbegegnungen - bricht in der Erotik der Körperbegegnung die Aggressivität durch, die Frauen vielfach abgesprochen worden ist. Diese Aggressivität mag geringer entwickelt sein - schon als Folge soziokultureller Prägungen, vielleicht aber auch infolge unterschiedlicher hormoneller Reaktionen -, aber sie ist vorhanden, immer vorhanden gewesen. Es ist eine spezifisch weibliche Aggressivität, unter Anpassung und Charme verborgen, weit differenzierter und damit auch raffinierter als die von Männern. Die gewalttätig aggressiven Männer der Geschichte griffen zum Schwert, die gewalttätig aggressiven Frauen zum Gift. Blutige Ausnahmen hat es immer gegeben. Weibliche Aggressivität äußert sich verdeckt in Rivalität. Das wohl berühmteste Muster ist in der mittelhochdeutschen Literatur die Rivalität zwischen Kriemhild und Brünhilde im Nibelungenlied, eine Rivalität, die an Etzels Hof zur blutigen Katastrophe führte. Das Nibelungenlied muß die Menschen des Mittelalters in ihrer tiefsten Schicht berührt haben; das Motiv hat Autoren (im 19. Jahrhundert Hebbel) und Regisseure (Ende des 20. Jahrhunderts noch) nicht losgelassen.
Rivalität unter Frauen zieht sich durch die Jahrhunderte, heute weniger spektakulär, doch dafür um so verbreiteter und raffinierter. Leora Tanenbaum hat dies in ihrem Buch "Catfight. Women and Competition" (2002) beschrieben. Die Rivalität ist so alltäglich, daß sie Männern vielfach nicht auffällt. Nicht selten beziehen sie Äußerungen der Rivalität auf sich selbst; sie glauben, Frauen machten sich immer und überall für sie, die potentiellen Geschlechtspartner, schön und attraktiv. Ein Irrtum aus der naiven Eindimensionalität der Männer. Einem Amazonenfreund verdanke ich den Hinweis auf Kurt Tucholsky, der als scharfsinniger Beobachter diesen Gedanken bereits geäußert hat (die Quelle habe ich leider bisher nicht gefunden). Einige der Ringkampfszene entnommene Beispiele alltäglicher Rivalitätsäußerungen: Zum Abschluß der DWW-Treffen in Ungarn hat jeweils ein Tanzabend stattgefunden. Tagsüber haben die Frauen im String gekämpft, Männern blieb die Beschaffenheit des Körpers nicht im geringsten verborgen. Am Abend - auch bei einer TAC-Veranstaltung - zeigten sich die Frauen, wie sie selbst sich zu sehen wünschten, attraktiv, mit allen Möglichkeiten der Präsentation ihres Körpers spielend. Nur sehr naive und unerfahrene Männer können glauben, daß sie das für uns taten - doch beileibe nicht für mich alten Knacker, doch nicht für den Briten, der auch zum Tanzabend seine Turnhose nicht wechseln mochte, doch nicht für den jeweiligen Partner, doch nicht für übergewichtige Jeansträger, die morgen vergessen sein würden. Die Raffinesse der Enthüllung in abendlicher Garderobe galt vornehmlich den Rivalinnen, ebenso aber auch war es eine Werbung.. Vor und während des Kampfes sprechen die erigierten Mamillen der Topless-Ringerinnen eine beredte Sprache: Ich mag dich.

Der Auftritt der Frauen in den verführerischen Künsten der Mode ist jeweils eine herrliche Schau, die Fortsetzung des Kampfes auf der Matte mit den Mitteln ästhetischer Dominanz, gegenseitiger Verführung und harten Konkurrenzkampfes. Männer dürfen das Schauspiel der freizügigen Dekolletés, der Miniröcke und nackten Bäuche genießen, aber sie haben Zaungäste zu sein, mehr nicht. Es geht nicht mehr wie in archaischer Zeit darum, den tüchtigsten Zeugungspartner zu beeindrucken, um ihn zur Werbung zu veranlassen.. Der Kampf der Rivalinnen nach der Ringkampfveranstaltung hat andere Ziele.
Nicht selten habe ich beobachtet, daß vor einem Kampf die Nägel sorgfältig und sehr attraktiv lackiert wurden - doch nicht, weil sich Griffe dadurch besser anbringen ließen, doch nicht, weil sich Männer, diese Naivlinge, dadurch bestechen ließen. Sicher, topless zu ringen, ist heute Standard in der privaten Szene, schon weil sich Filme mit Kämpferinnen im Badeanzug kaum noch verkaufen lassen. Doch die Beweggründe sind höchstens an der Oberfläche rational; auch ohne Filmproduktion, auch ohne Zuschauer wird vielfach topless gekämpft. Die haptischen Reize sind im String erheblich stärker. Und wieder ist hinzuzufügen: Die Attraktivität des fast nackten Körpers soll die Rivalin beeindrucken. Schon wird zuweilen - bei DWW konnte man wieder diese Entwicklung beobachten - der Kampf der Rivalinnen mit Hilfe der attraktivsten Variationen eines Quasi-Nichts geführt. Der „normale“ String, den selbst FILA-Ringerinnen unter ihrem von Funktionären entworfenen „Ringerinnentrikot“ tragen, wie sich deutlich abzeichnet, fällt einfach zu wenig auf.

Immer wieder stößt man im Alltag auf weibliche Rivalität - ein abschätzender, ein abschätziger Blick sagt alles. Männer definieren sich untereinander nicht über ihren Körper, sondern über ihren Status, zuweilen auch über ihren Status in sportlicher Hinsicht. Nicht nur Männer phantasieren Kampfbegegnungen von Frauen; es kommt auch vor, daß eine Frau phantasiert und eine durch puren Zufall als Rivalin erkannte Frau auf eine mögliche Kampfbegegnung abschätzt. Mag sein, daß in jungen Jahren auf diese Weise eine Disco-Prügelei entsteht. Eine folgenlose Kampfphantasie kommt im Grunde erst dann ans Tageslicht, wenn der Partner die Kampfleidenschaft teilt oder sie entfacht hat und sich beide über ihre Vorlieben und Phantasien austauschen.

Es gibt mehrerlei Motive für den Kampf unter Frauen, aber ein unbewußtes Motiv scheint mir die weibliche Rivalität zu sein. Literarisch hat dies wie kein anderer in deutscher Sprache Rainer Maria Ringer in den Mini-Stories von „Catfight!“ zum Ausdruck gebracht. Bedeutet Tucholskys Gedanke, Frauen machten sich wegen der Rivalin schön, eine Desillusionierung der Männer? Das kommt wohl auf die Männer an. Uns an der Matte kann nichts Besseres widerfahren als die Rivalisierung, als der Kampf, auf den womöglich die liebevolle, wenn nicht sogar liebende Versöhnung folgt.

Werner Sonntag

Sonderbar:

Wenn Frauen zuschauen 
 
In unserer Szene gibt es die abstrusesten Varianten - erinnert sei an Nacktringen, aber mit Ringerstiefelchen bitte. Oder Rollenspiele auf der Matte. Keiner von uns sollte sich über solche Vorlieben erheben. Ich selbst habe mich bei einer erotischen Spezialität ertappt, über deren Hintergrund ich noch keine Antwort parat habe. Von erotischem Reiz ist für mich auch - das „auch“ muß ich betonen -, wenn Frauen bei Ringkämpfen zuschauen. Mir scheint es eine seltene Variante unserer Triebneigung zu sein.
Ich kann, um einer Antwort näher zu kommen, nur mit historischen Reminiszenzen beginnen. Als wir in meiner Generation unsere Triebneigung entdeckten, hatten wir keinerlei Gelegenheit, das, was wir phantasierten, nämlich ringende Frauen, tatsächlich zu sehen. Da für mich, wie Freud schon postuliert hatte, der Ringkampf erotisch besetzt war, ich aber keine Chance hatte, ringende Frauen zu sehen - die einzige Chance hatte ich 1951 selbst vertan, aber das ist eine andere Geschichte -, wollte ich wenigstens Männer-Ringkämpfe sehen. Ich besuchte also, einige Male auch mit meiner Frau, Ringkampf-Meisterschaften der Männer. Schon das spricht dagegen, die Triebneigung Frauenringkampf einfach als Fetisch abzutun. Das wäre viel zu oberflächlich gedacht; aber wir kennen von anderen Gebieten her, daß, wenn Fachausdrücke unters Volk fallen, die Inhalte zu Gemeinplätzen verkommen, wenn nicht sogar verfälscht werden. Den Ringkämpfen der Männer sahen außer Sportfreunden die Frauen und Freundinnen der Ringer zu. Und genau das hatte für mich einen Reiz. Mit Vorliebe setzte ich mich in die Nachbarschaft zuschauender Frauen. Einmal, in Stuttgart-Münster, sagte eine Frau zu ihrer Nachbarin, wenn sie auf die Matte müßte, wüßte sie gar nicht, was sie machen sollte. Diese Bemerkung war für mich so erregend, daß ich mich noch daran erinnere. Setzte die Bemerkung doch voraus, daß sich die Zuschauerin selbst vorgestellt hatte, auf die Matte zu gehen. Auch wenn dies unter negativem Vorzeichen geschah, - das Triebziel, Frauen kämpfen zu sehen, schien infolge jener Bemerkung auf einmal ein Stückchen nähergerückt. Man muß sich ja vorstellen, mit wie wenig wir damals zufrieden sein mußten. Bei den Catcher-Veranstaltungen, die ich auch wieder als Surrogat besuchte, beobachtete ich gern zuschauende Frauen. Als ich dann später mit Georg rang, war es für uns beide reizvoll, wenn seine Freundin zusah. Ohne sie hätte unserem Kampf die Würze gefehlt.

Bei den BEKA-Veranstaltungen in München, so wichtig sie auch für die Entwicklung der Szene waren, vermißte ich häufig die Anteilnahme der nicht ringenden Mädchen. Wenn eine während der Kämpfe ein Buch las, um die Zeit bis zum eigenen Kampf zu überbrücken, war das für meine Erregung tödlich. Meistens saßen wir Männer allein beieinander; erschien einmal eine Frau - aus welchen Gründen immer - , war das eine Sensation und geradezu ein Lichtblick.

Die Zeiten änderten sich. Bei DWW gingen nach der Anfangsphase Ungarinnen auf die Matte; man merkte ihnen an, daß sie nicht nur des Honorars wegen ganz bei der Sache waren. Wenn sie nicht beschäftigt waren, sahen sie zu - die meisten jedenfalls, obwohl der benachbarte Swimmingpool lockte. Immer saßen genügend Ringerinnen auf den Zuschauerplätzen und nahmen Anteil an den Kämpfen.
Auch beim TAC war das der Fall. Hier erlebte ich eine Steigerung: Frauen, die besonders aufmerksam die Kämpfe verfolgen, verfolgen müssen, nämlich vor allem Susanne als Trainerin oder mit der Kamera und Alessandra als Mattenrichterin. So kenntnisreich Gert auch war, - Alessandra erfüllte eben nicht nur eine Funktion, sie war eine. Sage keiner, Susanne in Shorts und Alessandra mit freiem Rücken seien nun einmal erfreulich anzuschauen - auch diese Erklärung allein wäre zu oberflächlich. Selbst bei den Ringkämpfen nach FILA-Regeln, die mich mittlerweile ziemlich kalt lassen, hat es mich immer elektrisiert, wenn als Mattenrichter eine Frau fungierte. Ich betrachtete sie, wie man einen Funktionär im Grunde nicht betrachtet. Wie Georg in Darmstadt liebte ich es, wenn sich die Ringrichterin auf den Boden warf, um eine Situation im Bodenkampf genau zu beobachten. Georgs Freundin tat uns zu seinem Bedauern diesen Gefallen nicht.

Unzweifelhaft ist, daß Frauen, die Ringkämpfen - sicherlich auch Boxkämpfen - zuschauen, Erotik ausstrahlen, jedenfalls in unseren Augen. Man kann dies sogar auf die graue Vergangenheit projizieren. Es gibt einige Kunstmotive, bei denen Männer oder Jugendliche kämpfen, Frauen oder Mädchen aber zuschauen. Künstler, die ein viel feineres erotisches Gespür haben als Frau oder Herr Jedermann, haben diesen Reiz offenbar erkannt, wahrscheinlich auch selbst verspürt. Was ich meine, sollen einige Bilder belegen. Auch bei den Indio-Ringkämpfen, den Huka-Huka, schauen Frauen und Mädchen zu.

Weshalb Männer kämpfende Frauen erregend finden, darüber gibt es inzwischen Antworten, und ich selbst habe mich ja auf 662 Seiten weidlich darum bemüht. Doch was ist es, das uns zuschauende Frauen an der Matte als erotisch empfinden läßt? Ich habe keine Antwort, nur Hypothesen. Eine davon: Jeglicher Kampf fasziniert - auch der Männerkampf, aber dürfen Männer außer bei sportlichem Interesse kämpfende Männer als faszinierend empfinden? Die heimliche Homophilie, die für Männer, nicht so sehr für Frauen, absolut ein Tabu ist, läßt sich dadurch wegretouschieren, daß gegengeschlechtliches Interesse im Spiel ist. Wenn Frauen kämpfenden Männern zuschauen, dann dürfen es auch Männer. Diese Hypothese läßt sich auf F/F-Kämpfe mit zuschauenden Frauen erweitern. Männer, die sich durch kämpfende Frauen erregen lassen, tun etwas scheinbar Verbotenes - vorgeblich in der Sicht der Gesellschaft, die inzwischen aufgeklärter ist als die Opfer ihrer sexuell repressiven Erziehung. Wenn jedoch Frauen an den Kämpfen Gefallen finden, kann es - so die unbewußte Entschuldung - so schlimm nicht sein. Mag es stimmen oder nicht, was uns an die Matte treibt, empfinden wir als Voyeurismus, da bringt eine Frau an der Matte Entlastung. Auch sie ist ja in unseren Augen Voyeurin. Das stimmt mit Sicherheit nicht. Doch unser männliches Unterbewußtsein stört sich nicht an Fakten.

So sollte man auch meinen tiefenpsychologischen Erklärungsversuch sehen, einen zugegeben abenteuerlichen Versuch. Nicht wenige Männer lieben es, tribadische Begegnungen zu beobachten oder zumindest, sie sich vorzustellen. Auch das ist keineswegs neu und schon daher unumstritten. Nach meiner Interpretation, die ich in „Kampfes Lust“ ausgeführt habe, beruht diese Neigung darauf, daß die „Tribgirls“, um diesen knackigen, von G. R. eingeführten Begriff zu verwenden, in unseren Augen stellvertretend Sex treiben. Wir identifizieren uns mit ihnen. Wir genießen visuell Sex mit ihnen, ohne uns selbst den Risiken des Sexes, beispielsweise des Versagens bei hohem eigenen Erwartungsdruck oder emotionalen Konflikten, auszusetzen. Was aber bedeutet die dritte Frau auf der Matte? Eine sexuelle Variante ist Sex zu dritt - in welcher Kombination auch immer. Manche haben die Triole ausprobiert, manche träumen davon, auch in fester Partnerbeziehung. Wenn wir auf Ringkämpfe Sex projizieren, dann ist die dritte Frau auf der Matte die unterbewußt vorgestellte zweite Sexpartnerin. Doch wenn nun gar mehrere Frauen aktiv auf und an der Matte beobachten? Ich halte es nicht für abwegig, dabei an eine Orgie zu denken. Eine abenteuerliche Erklärung, ich sagte es schon.

Weder mit tiefenpsychologischen noch mit rationalen Erklärungen nähern wir uns der Erotik des Ringkampfes. Die Erotik könnte mit der Vorstellung erklärt werden, daß zuschauende Frauen potentielle Ringerinnen seien. Doch Susanne und Alessandra haben ja selbst gerungen, ebenso wie Helen von Mott, die in Lüttich mit herrlich nacktem Hintern die Kämpfe moderierte, und alle die anderen an der Matte. Da kommen wir zu einem Aspekt, der auf jeden Fall zutrifft: der Ästhetik des Kampfes. Mattenrichterin oder Betreuerinnen wirken nun einmal attraktiver als Männer in diesen Funktionen.

Solange, bis andere Spekulationen überzeugender sind, müssen wir uns mit dem ästhetischen Argument begnügen. Und das tun wir wohl gern. Daher wie auch immer: Wir möchten bitte außer den Ringerinnen attraktive Frauen an der Matte sehen - die kenntnisreichen Männer können im Hintergrund bleiben, dann schätzen wir sie um so mehr.

Werner Sonntag

Mixed:

Was Männer auf die Matte zieht 

Kampf der Geschlechter? Geschenkt. Was bewegt Männer wirklich, zu einem Ringkampf mit einer Frau anzutreten? Da kommt es auf die Umstände an. Die Balgerei im Bett gehört von alters her zum sexuellen Vorspiel. Die anthropologische Erklärung für den Ringkampf im Bett könnte sein, daß sich in der Urgesellschaft die Werbung zur Paarung bisweilen auf rüde Weise vollzogen haben mag.

 Körperliche Berührung war, soweit bekannt, vom Mittelalter an über die „galante Zeit“ des Rokokos bis in die wilhelminische Zeit das Ziel von allerlei Gesellschaftsspielen, die alle vergessen sind; es geht heute direkter zur Sache. Pfänderspiele? Am Strand wird freiwillig alles abgelegt. Kräftemessen? Ach, man weiß längst, daß Frauen von Natur aus schwächer sind, jedenfalls im Vergleich zu vergleichbaren Männern. Die körperliche Unterlegenheit kann im Mixed-Kampf allerdings durch hochentwickelte Ringkampftechnik und Ausdauer wettgemacht werden. Geht es Mixed-Ringern um die Ringkampftechnik? Doch die wenigsten beherrschen sie. Klar, wenn man einer Frau Ringkampfgriffe beibringen will, ringt man mit ihr. In allen Ehren. Das bedeutet, es gibt noch ein anderes Ringen.

Nehmen wir die konkrete Situation in unserer Szene: Was könnte Männer veranlassen, während oder nach einer Frauenringkampfveranstaltung, der immer noch besten Gelegenheit, mit einer der Ringerinnen zu kämpfen und dafür ein Honorar zu zahlen, das bei unvergleichlich geringerem Zeitaufwand höher ist als Honorare oder Gebühren in akademischen Berufen? Schon diese Höhe des Honorars, das selbst für eine bescheidene körperliche Leistung gefordert wird, muß nachdenklich machen. Es besteht offenbar ein hohes Bedürfnis, und für dessen Erfüllung scheint vielen kaum ein Preis zu hoch - allerdings, ein Angebot für 500 Euro die Stunde Ringkampf, was schon vorgekommen sein soll, erledigt sich im Nu von selbst.

In der Vergangenheit ist die Frage, welches die Motive für einen Mixed-Kampf sind, immer wieder einmal gestellt worden. Dabei ging es im Kern darum, wie weit Erotik und Sexualität im Spiel sind. Es ist auffällig, daß die Fraktion, die beides im Mixed-Kampf leugnet, gar nicht so klein ist. Das deckt sich mit der Verleugnung der Erotik im Sport allgemein. Dabei gibt es kaum andere Verhaltensweisen und Aktivitäten, die so sinnlich sind wie der Sport, und sei es eine so perverse Sinnlichkeit wie bei Autorennen, wenn wir Erich Fromm folgen. Bei der Siegerehrung der röhrenden Balzkämpfe dann schließlich die Ejakulation aus der Magnum-Sektflasche.

Beim Veranstaltungsangebot wird nicht selten vorsorglich darauf hingewiesen, daß Mixed-Kämpfe keinen sexuellen Charakter haben dürfen. Schon dieses Verbot deutet darauf hin, daß das Verlangen danach nicht so selten sein kann. Eine Ringerin ist keine Sexualpartnerin, wenn sie das nicht will. Und sie will es ganz bestimmt nicht beim und durch den Ringkampf. Und doch, eine Erektion kann man nicht verbieten. Dies festzuhalten, gebietet die Ehrlichkeit. Kann es denn zu einer Erektion kommen? Aber ja, es kommt nur auf die Intensität des Kampfes an. Je intensiver ein Kampf, desto ferner liegen männliche Regungen. Doch noch keine Mixed-Ringerin ist gestorben, weil sie einen erigierten Penis verspürt hat. Vielleicht ist das ja auch eine Art nonverbales Kompliment. Auch bei gemischtgeschlechtlichem öffentlichem Nahverkehr soll es in der rush hour schon zu Erektionen gekommen sein. Die Polizei ermittelt noch. Und irgendwann wird der Bundesgerichtshof feststellen, eine nicht vorsätzlich herbeigeführte Erektion sei nicht strafbar.

Jedem Mixed-Ringer, der versichert, er ringe wirklich nicht, um eine Erektion zu bekommen, ist zu glauben. Sie wird im allgemeinen als peinlich empfunden, wiewohl mancher bei anderer Gelegenheit viel dafür gäbe. Nicht wenige treffen Vorkehrungen, indem sie nicht die knappste und dünnste Sporthose anziehen, ja, ihren Körper zuweilen mit weiten Hosen, Suspensorium und T-Shirt regelrecht gegen allzu innige Berührung panzern. Das klingt höchst widersprüchlich, schließlich wird die körperliche Nähe einer Angehörigen des anderen Geschlechts ja gesucht. Und außerdem bringen sich die Gepanzerten um das Schönste beim gemischten Ringen.

Die Ambivalenz läßt sich nur tiefenpsychologisch auflösen. Wenn wir unsere Leidenschaft für Frauenkämpfe ehrlich hinterfragen, müssen wir uns die Wurzeln unserer (angeblichen) Obsession eingestehen. Unsere Vorliebe gründet in unserer Libido (wie Freud den sublimierten Geschlechtstrieb nannte). Kämpfende Frauen erregen uns; sexuelle Erregung aber ist Voraussetzung, daß wir unser Triebziel erreichen. Jedoch für Vorlieben wie den Kampf von Frauen gibt es kein Triebziel, es sei denn man heiratet eine der beiden Ringerinnen. Mancher reichlich naive Amazonenfreund hat tatsächlich diese Illusion gehabt. Die Versagung des Triebziels einer zumindest unterschwelligen Erregung durch den Kampf muß auf irgendeine Weise kompensiert werden. Das kann durch Sublimation geschehen, die Lenkung der Triebneigung in von der Gesellschaft akzeptierte Bahnen. Künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung mit unserer vermeintlichen Obsession kann eine solche Sublimation bedeuten. Daher denn auch die vielen fiktiven Kampfstories, die oft einander auf ermüdende Weise gleichen; denn die wenigsten Verfasser haben literarische Fähigkeiten, ebensowenig wie die Zeichner von Frauenkämpfen begnadete Künstler sind. Auch die Fotografierwut ist wahrscheinlich zum Teil ein Sublimierungsversuch. Über den Verfasser eines 662seitigen Wälzers kann man bei anderer Gelegenheit reden.

Die zweite Möglichkeit, mit der Erregung fertig zu werden: Das nicht erreichbare Triebziel wird wie bei der Pornographie umgelenkt. Der Ringkampf wird zur Selbstbefriedigungsphantasie, wobei man wie bei der Henne und dem Ei nicht weiß, was zuerst da war, die Phantasie, für die in Gestalt von Videofilmen Nahrung beschafft werden muß, oder die Selbstbefriedigung, die eines auslösenden Reizes, hier des Frauenringkampfes, bedarf.

Die dritte Möglichkeit ist die naheliegende, sich den Ringerinnen, den Auslösern sexueller Reize, zu nähern. Zu einer sexuellen Partnerschaft kann es jedoch nicht kommen, weil deren Versagung ausdrücklich oder stillschweigend Bedingung eines Mixed-Kampfes ist. Man kann auch, was zumal bei Sparsamen zu beobachten ist, um Ringerinnen herumscharwenzeln; das wirkt auf andere ziemlich komisch, weil jedem außer dem Betreffenden selbst die Vergeblichkeit solcher Bemühungen klar ist. Die legitime, weil ehrliche Möglichkeit der Partnerschaft auf Zeit ist der Mixed-Kampf. Der sexuelle Reiz eines Frauenringkampfes soll Nachhaltigkeit bekommen, indem man in die Haut einer Ringkampfgegnerin schlüpft. Denn sie erfährt fast alle Berührungsreize (haptische Reize), derer man sonst einzig beim Coitus teilhaftig werden kann.
Als Gegenargument wird vorgebracht, der Mixed-Kampf sei eine sportliche Auseinandersetzung. So mag er angelegt sein, de facto aber ist er ein Kampf unter Ungleichen. Bei gleichen Voraussetzungen haben Frauen weniger Kraft als Männer. Wer allein den sportlichen Wettbewerb sucht, muß mit Angehörigen seines eigenen Geschlechts auf die Matte. Erst dann ist Chancengleichheit möglich. Tut er das nicht, ist anderes im Spiel, nämlich das Streben nach körperlicher Nähe, nach Intimität, nicht anders als bei einer potentiellen Sexualpartnerin.

Wer sich nicht dem Vorwurf der Heuchelei aussetzen will, muß eingestehen, daß der Mixed-Kampf eine Kompensation gesellschaftlich wie individuell versagter Sexualpartnerschaft ist. Ringerinnen müssen darob nicht zusammenzucken; der Mixed-Kampf ist nur eine unter vielen Kompensationsmöglichkeiten für den Sexualverkehr - man denke an den Tanz. Ein Mixed-Kampf ist, so gesehen, nicht anstößiger, als einen Liebesroman zu lesen oder einen Liebesfilm zu sehen.

Es hilft auch nichts, darum herumzureden, daß bezahlter Mixed-Kampf zwar keine Vorstufe zur Prostitution ist, aber die Voraussetzungen auf derselben Ebene liegen: Eine körperliche Leistung wird bezahlt. Wem dies zu brutal klingt: Auch Berufssportler werden für ihre körperliche Leistung bezahlt, und zwar, ohne daß man Sponsoring oder Sportförderung als Prostitution bezeichnet.

Und wenn der Mixed-Kampf gratis ist? Dann ist es, sieht man von den körperlichen Annäherungen in Kindheit und Jugend ab, mindestens Sympathie, man will Spaß miteinander haben, im optimalen Fall möglicherweise sogar Liebe, nämlich eine Form des Körperkontaktes unter Liebenden, und sei es eines one-night-stands. Damit sind wir wieder bei der These angelangt, daß es keinen geschlechtsneutralen Mixed-Kampf geben kann, sondern dieser die Kompensation eines nicht erreichbaren Triebziels ist. Wer einen bezahlten Mixed-Kampf macht, tut es, weil er in seiner sexuellen Partnerschaft - nicht selten fehlt sogar diese - seinen geheimen Triebwunsch nach dem Ringkampf als langes Vorspiel nicht befriedigt findet. Das ist kein Vorwurf, sondern nur der Versuch einer ehrlichen Antwort, ein Beitrag zu der antiken Aufforderung „Erkenne dich selbst“. 

Werner Sonntag



Beach Wrestling:

Standkampf im Strandkampf

Auf den Frauenringkampf bei Olympischen Spielen waren wir jahrelang vorbereitet, solange, daß wir die Absichtserklärung, 2004 werde es soweit sein, kaum noch für realistisch halten konnten. Im August 2004 haben wir dann die Tage X erlebt; wenn wir ehrlich sind, sie waren weit weniger sensationell, als wir uns das vordem vorgestellt hatten. Frauen auf der Matte, na und? So etwa war die Situation, und die deutsche Darstellung des olympischen Frauenringens durch drei überschätzte Ringerinnen in Athen war obendrein nicht dazu angetan, eine Revolution im weiblichen Körperverständnis deutlich zu machen. Anders hingegen die Nachricht aus Athen, die Fédération Internationale des Luttes Associées (FILA), führe als neue Wettkampfdisziplin das Beach Wrestling ein.  Die Sensation besteht darin, daß unsere Bedürfnisse als offenbar typisch für viele Menschen wahrgenommen worden sind.

Beach Wrestling - was bedeutet das? Ringen am Strand - und der Strand bezeichnet ja wohl nur eine Hausnummer - ist zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als die Rückverlagerung des Ringkampfes in die Öffentlichkeit, was von der FILA unverblümt zugegeben wird. Vergegenwärtigen wir uns die Situation: Viele von uns haben die eigene „Obsession“ erst beim Anblick eines öffentlichen Ringkampfes entdeckt; im Alter von vier oder acht Jahren besucht man kein Ringkampfturnier in einer Halle. Der Ringkampf unter freiem Himmel in welcher Form auch immer hat uns unsere Triebneigung erkennen lassen.

Die ersten Ringkämpfe, die wir erlebt haben, ereigneten sich vermutlich ohne feste Regeln. Es gab nur die grundsätzliche Vereinbarung: Nicht kratzen, nicht beißen, nicht Haareziehen, nicht würgen. Beim Kräftemessen wurden keine Punkte verteilt, der Sieger war eindeutig ermittelt; er siegte nicht dank technischer Raffinesse oder einem unglücklichen Zufall, sondern er dominierte den Gegner sichtbar. Auf diese Wurzeln des Ringkampfes hat sich die FILA offenbar besonnen.

Waren sie denn verlorengegangen? Eben nicht, nur der Verband hatte sie aus den Augen verloren. Ringkampf nach vereinfachten Regeln ist entweder individuell oder informell organisiert in der privaten Ringkampfszene gepflegt worden, die es nicht erst seit gestern gibt.. Von individuellen Begegnungen zeugen alte, bräunlich vergilbte Photographien und Bildpostkarten. Danach haben Männer im ausgehenden 19. Jahrhundert - mit Sicherheit auch davor und danach - auch außerhalb von Sportveranstaltungen und -übungsstunden miteinander gerungen. Und die Frauen? Sie traten im Zirkus und in anderen Unterhaltungsstätten auf. Ringkämpfe von Frauen auf Postkarten sind zwar gestellt, aber ebenfalls mit Sicherheit hat es private Frauen-Ringkämpfe vor erotischem Hintergrund gegeben; für den Anfang der fünfziger Jahre kann ich dies aus verläßlicher Quelle bezeugen. Doch um diese Zeit war Frauenringkampf längst auch sportlich, wenn auch in aller Heimlichkeit, betrieben worden. Für Ringkampf und Boxen haben sich Frauen immer interessiert; die Bildpostkarten von Athleten oder Tuck’s Serie von Ringkampfgriffen waren höchstwahrscheinlich auf Frauen gemünzt, so wie die Postkarten mit Ringkampfpositionen von Frauen in die Hand von Männern kamen und zuweilen auch, insbesondere in Frankreich, freizügig mit der Post verschickt wurden.

Die Sportverbände haben offenbar entdeckt - und vor allem sich dazu bekannt -, daß Sport doch schon betrieben worden war, bevor es Sport als Begriff gab. Im Laufen wurden Höchstleistungen erzielt, weit bevor der organisierte Sport den Langstreckenlauf als Disziplin für sich in Beschlag genommen hat. Ende des 18. und im 19. Jahrhundert wetteiferten „Pedestrianisten“ um die Zurücklegung weiter Distanzen, mit deren Ergebnissen man noch heute Ehre einlegen könnte. Eine Anzahl Botenläufe waren Abenteuerläufe. Kunst- und Schauläufer produzierten sich mit ihren Laufleistungen in der Öffentlichkeit, vornehmlich im Einzugsbereich von Gastwirtschaften. Mit jenen „Vorläufern“ wollte der organisierte Sport nichts zu tun haben. Carl Diem, Sportpionier und Sportorganisator, bezeichnete Anfang des 20. Jahrhunderts die professionellen Sportler verächtlich als „Schausteller des Sports“. Genau diese Haltung hat der Deutsche Ringer-Bund - und nicht nur er - jahrzehntelang gegenüber dem privaten Ringen, von dem er wohl mehr gerüchtweise Kenntnis erlangt hat, eingenommen. In seinem 1991 erschienenen Jubiläumsband . „Hundert Jahre Ringen in Deutschland“ kommen nicht einmal am Rande die ringenden Frauen vor, obwohl schließlich eine deutsche Ringerin zwei Jahre zuvor an der ersten offiziellen Frauenweltmeisterschaft teilgenommen hatte.

Höchstwahrscheinlich war vielen Funktionären die Existenz einer Subkultur des Ringkampfes zwar bekannt; aber vom privaten Ringkampf wurde offiziell nicht Kenntnis genommen. Dem stand zum einen die Nähe der privaten Ringkämpfe zu erotischen Bedürfnissen entgegen - Ringen darf schließlich nicht Lust entspringen oder gar Lust wecken -, zum anderen die Reduzierung eines komplizierten und alle paar Jahre geänderten Regelwerkes auf die wenigen Regeln, die vom juvenalen Ringkampf her bekannt sind. Es versteht sich, daß Sport und Erotik des Körpers unterschiedliche Facetten eines natürlichen Körpergefühls sind, auch wenn Sportfunktionäre jahrzehntelang ängstlich bemüht gewesen sind, den Zusammenhang von Leibesübung und Leibesliebe mindestens zu verschweigen, wenn nicht zu leugnen. Ein verräterisches Indiz ist: Es gibt kaum ein Gebiet des Sportes, auf dem so wenig publiziert worden ist wie im Hinblick auf die Erotik im Sport, worauf ich in verschiedenen sportwissenschaftlichen Bibliotheken gestoßen bin.

Erst in den letzten Jahren ist ein Wandel der Anschauung eingetreten, genauer: seit der Kommerzialisierung der Olympischen Spiele. Seit diese eine Show geworden sind, setzen Sportler, vor allem Sportlerinnen, ihre Körper in Szene. Leichtathletik wird leicht bekleidet betrieben. Marathonläuferinnen tragen, wenn es die Temperatur zuläßt, ein knappes Höschen und ein Top. Den Verband, der Männern bei Straßenläufen ein Hemd vorschreibt, haben sie offenbar gar nicht erst gefragt. Daß Bischöfe an den öffentlichen Aufzügen von Turnerinnen in Turnkleidung - in der könnte man heute am Bankschalter Kunden bedienen - Anstoß genommen haben, ist nur noch eine Fußnote der Sportgeschichte. Insbesondere Straßenläufe, Triathlon, Beach-Volleyball im Bikini und die Lateinamerikanischen Tänze haben die Erotik des Sports für jedermann sichtbar gemacht, nämlich auch für diejenigen, die sich keine Stadion- oder Hallenkarte kaufen. Und diese erotische Note wird nicht nur von den Medien, die damit ihr Produkt verkaufen wollen, sondern auch von einer breiten Öffentlichkeit als attraktiv empfunden. Die Ringerverbände, die erst vom Freien in die Turnhalle umgezogen waren und dann ihren Ringerinnen Gymnastikanzüge für alte Frauen vorschrieben, haben sich selbst in die Sackgasse manövriert. Sie haben den Wandel sogenannter sittlicher Anschauungen, über den wir sie hätten aufklären können, schlicht verschlafen. Die Chance, Frauenringen zur Lokomotive eines randständig gewordenen Sports zu machen, wurde vertan.
Vor den Olympischen Spielen 2004 sind die Funktionäre der FILA aufgewacht. Und wie! Ringkampf in der Badehose für Männer - die Gays können darob nur lachen -, für Frauen im Badeanzug, im Bikini gar, ist nun nicht mehr der privaten Szene vorbehalten. Die ist ja ohnehin längst wieder einen Schritt weiter; Frauen, die vielleicht nicht gerade zum erstenmal auf die Matte gehen, ringen wie selbstverständlich topless. Zum Ringen wird nun, bei der dritten Disziplin, dem Beach Wrestling, eine Matte nicht mehr für erforderlich gehalten. Natürlich, zum Kräftemessen im Schulhof oder auf der Wiese konnte auch nicht erst eine Matte beschafft werden. Allerdings sehen die vereinfachten Regeln des Beach Wrestling keinen Bodenkampf vor. Wer zu Boden geht, hat die Kampfrunde verloren. Der Strandkampf ist ein Standkampf. Doch erinnern wir uns: Auch im Judo war für Frauen keine Bodenlage vorgesehen, die wurde erst Mitte der siebziger Jahre, als ein Emanzipationsprozeß in Gang gekommen war, zugelassen. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß in einigen Jahren auch im Beach Wrestling der Bodenkampf eingeführt werden wird. Und wer will heute schon bei einem spontanen Kampf den Beteiligten verbieten, ihre eigenen Regeln einschließlich Bodenkampf und Beinschere zu verabreden? Alle Voraussetzungen des Beach Wrestling sind auf Spontaneität angelegt. So wie beim Volleyball eine Schnur genügt, ist für den Ringkampf auf Sand nichts weiter als eine Absprache nötig. Aus dem Freundeskreis am Strand ist ein Schiedsrichter rasch gefunden, zur Not geht es auch ohne. In Anbetracht der einfachen Regeln weiß der Verlierer fast immer, daß er verloren hat. Zwei Altersklassen, Junioren und Senioren, die schon bei 20 Jahren anfangen, reichen aus. Der Wegfall aller Gewichtsklassen außer zwei, auch bei Meisterschaften, verhindert eine Dehydrierung, damit das gesundheitsschädliche „Abkochen“ vor dem Wägen.

Die FILA ist über den Schatten ihrer Vergangenheit gesprungen; sie hat das Beach Wrestling nach dem Ringen in griechisch-römischem Stil und im Freistil zu einer eigenständigen Disziplin gemacht. Vom Jahr 2005 an finden in diesem Stil auch Meisterschaften statt. Hoffentlich wird nicht der Unsinn begangen, lastwagenweise Sand anzukarren, wenn auf dem Marktplatz Beach Wrestling stattfinden soll; da wäre eine Matte leichter und billiger ausgelegt.

Beach Wrestling hat unbedingt Aufforderungscharakter. So spontan, wie sich eine Zuschauergruppe bildet - man weiß ja von der Schulhofkeilerei her, wie faszinierend das Zuschauen ist -, ist auch zu unterstellen, daß zwei andere spontan zu einem Kampf antreten. Der unverbindliche Charakter des Beach Wrestling senkt die Hemmschwelle, einem Impuls des „Körper-Ichs“ nachzugeben. Diese Annahme beruht auf Erfahrungen und Beobachtungen. Meisterschaften im Sand sind anders als die Turniere in der Halle geeignet, zu privatem Kampf anzuregen.

Gewiß geht nun bei manchen von uns die Phantasie durch, Animation zum Ringkampf im Ferienclub wird wohl eine holde Illusion bleiben. Aber gab es dort nicht längst schon Reiterkämpfe im Wasser, die zumindest für den Prospekt inszeniert worden sind? Es wird wie überall auf die Beteiligten ankommen. Aber was wir erhoffen können, ist, daß wir die Chance haben, Ringkämpfe auf der Wiese, im Park oder am Strand zu erleben, ohne daß jemand auf den Gedanken kommt, die Kämpfenden zu trennen oder die Polizei zu rufen.

Den FILA-Beschluß dürfen wir als eine Näherung an die private Ringkampfszene interpretieren. Hier ist seit Jahr und Tag praktiziert worden, was den FILA-Funktionären nun als die attraktive Lösung eines Image-Problems zu sein scheint. Es zeigt sich auch, daß Gerhard in München mit seinem Rauftreff auf dem richtigen Weg ist, auch wenn so ein Familientreff nicht dem Geschmack der Erotik-Liebhaber unter uns entsprechen mag. G. R. von DWW hat das Szenario längst schon mit einem Ringkampf-Urlaub auf einer spanischen Ferien-Insel vorweggenommen. Wenn Ringkampf wieder in die sportliche Alltagskultur zurückkehrt, dürfte dies auch die überhitzte Kommerzialisierung dämpfen. Warum soll man Phantasiepreise von 300 Euro für eine Stunde Mixedkampf zahlen, wenn man bei einigem Geschick die Ringkampf-Partnerin am Strand mit dem Aufwand eines ohnehin erhofften Abendessens treffen kann? Denn soweit ist die FILA noch nicht: Mixedkampf ist nicht vorgesehen. Aber vielleicht ist auch dies nur eine Frage der Zeit.

Werner Sonntag

 

Crash:

Bericht zur Lage

Versuch einer Antwort auf Fragen, die jetzt gestellt werden

In unruhigen Zeiten wächst das Bedürfnis nach einer Standortbestimmung. Wo stehen wir, wo wollen wir hin? Unruhige Zeiten? Manche meinen gar, es habe sich ein Crash ereignet. Die Szene des privaten Ringkampfes hat eine Zeitungsmeldung abgegeben. Na und? Sie ist für diejenigen, die nicht gleich in Panik geraten sind, außerordentlich dünn. Daran, daß sie fast allen Zeitungen zur Verfügung stand, aber nur in wenigen erschienen ist, zeigt sich, daß die Mehrzahl der fürs „Bunte“ oder „Vermischte“ verantwortlichen Redakteure dies erkannt hat. Selbst für „Bild“, die sonst für schiefe Nachrichten gut ist, hat nichts daraus gemacht. Nur wer erpicht auf Affären ist, hat die vage Nachricht ausgeschlachtet. Anderntags wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.

In Belgien haben unter deutscher Beteiligung Ringkämpfe unter Frauen stattgefunden. Nein, aber auch. Ermittelt wird, ob Minderjährige beteiligt waren. Ja, dürfen die denn das nicht? Ja, aber da sind die Mixed-Kämpfe. Wer sich heute noch darüber entrüstet, daß Frauen auch mit Männern ringen, sollte sich den sogenannten Wandel der sittlichen Anschauung vor Augen führen. Als meine spätere Frau und ich in der Verlobungszeit in der Bischofsstadt Würzburg im Doppelzimmer übernachteten, steckten wir die Verlobungsringe von der linken auf die rechte Hand und logierten als Ehepaar, was uns verrucht vorkam. Vor fünfzig Jahren hätte der Hotelier mit dem Kuppelei-Paragraphen des Strafgesetzbuches in Konflikt kommen können. Wahrscheinlich hat sich damals die Mehrzahl der Hoteliers strafbar gemacht. Nur fand das kein Redakteur berichtenswert. Die sogenannte sexuelle Befreiung in den siebziger Jahren war eine gesellschaftliche wie psychologische Notwendigkeit. Sie brachte es mit sich, daß sich wildfremde Menschen in sogenannten Sauna-Clubs trafen, um mit anderen zu kopulieren. Man kann diese eindeutigen Clubs besuchen, ohne daß einem der Staatsanwalt öffnet. Hauptsache, daß der Club-Betreiber seinen Gewinn ordentlich versteuert. In zwanzig Jahren ändert sich viel.

Vor einem Hornberger Schießen?

Hat es tatsächlich Neuigkeitswert, daß die allgegenwärtige Sexualität auch vor einer erotischen Szene, zum Beispiel auch der Tantra-Bewegung, nicht Halt macht, ebensowenig wie sie vor dem Vereinssport Halt gemacht hat? Da auch der gemischte Ringkampf nicht strafbar und in Frauenabteilungen von Kraftsportvereinen die Regel ist, schon weil die meisten Trainer männlich sind, taugt nur ein einziger Tatbestand zu einem strafrechtlich relevanten Verdacht, nämlich die Beteiligung von Minderjährigen an Handlungen, die über den Mixed-Kampf hinaus gehen. Ob das in Belgien geduldet worden ist, das muß der Staatsanwalt ermitteln. Der Staatsanwalt muß auch ermitteln, ob jemand seinen Hund quält. Verdächtigungen dieser Art eignen sich prächtig als Racheakt. Ich selbst habe in Belgien minderjährige Schülerinnen mit Frauen ringen sehen. Die Eltern sahen interessiert zu.

Der Umstand, daß plötzlich in der Ringkampfszene ermittelt wird und darüber eine Meldung erschienen ist, die erst durch das Reizwort „Belgien“ zur Nachricht geworden ist, hat manche verstört. Am Rand der Szene hat es gebröckelt, nur am Rand. Nun sind wir in der Zeitung gestanden, in einigen wenigen Zeitungen, und hoffentlich haben dadurch einige mehr erfahren, daß es uns gibt. Das Fernsehen war auch unterwegs, und zwar nicht die Teams der seriösesten Sender. Da sollten wir uns an der eigenen Nase fassen. Forumsäußerungen zeigen: Wenn wir im Fernsehen „unseren“ Stoff suchen, dann bevorzugen wir genau diese privaten Sender. Also müssen wir akzeptieren, daß wir nun selbst von dieser Art Recherche betroffen sind.

Unsere Reaktion

Aus der ersten Reaktion auf die Skandalmeldung hat sich eine Strategie entwickelt. Zu ihr gehört, Schnüfflern keinen Einstieg zu bieten. Nicht daß wir etwas zu verbergen hätten - doch es bestünde die Wahrscheinlichkeit, daß Kampfszenen junger Frauen, die das zu Recht nicht wollen, verbreitet werden. Daher haben wir - der TAC besteht nicht nur aus Susanne und Kay - verabredet, künftig noch mehr den Club-Charakter zu betonen. Wir Älteren erinnern uns: Als Strothmann 1976 die ersten Oben-ohne-Box- und Ringkämpfe öffentlich veranstaltete, zog er genau das unappetitliche, sensationsgierige Publikum an, unter dem unsere Neigung zu leiden hatte. In den späteren Club-ähnlichen Zusammenkünften hingegen konnten die Freunde des Frauen-Ringkampfes ebenso wie die Akteurinnen davon ausgehen, unter Gleichgesinnten zu sein. Jetzt ist aus mehrerlei Gründen Mißtrauen angebracht. Gewiss, wir haben bei den Club-Veranstaltungen von DWW, wo jedermann Club-Mitglied werden kann, Menschen aus anderen Ländern kennengelernt, und die Treffen in Wien und in Ungarn waren ein wesentlicher Schritt in unserer Emanzipation. Aber hat nicht auch ein kleiner, intimer Kreis seinen besonderen Reiz? Wer sich in der Szene und ihrer Geschichte auskennt, weiß, daß dies ja früher die Regel war. Die Super-8-Filme, die bei den Kämpfen im Wohnzimmer entstanden, wurden, zum Beispiel beim Wrestling Fun Club, allein den Beteiligten zugänglich gemacht.

Im kommerziellen Bereich dagegen, der inzwischen die Szene beherrscht, braucht man zur Finanzierung nicht unbedingt Zuschauer. Zum einen haben junge Frauen diese Form der Körper-Begegnung auf der Matte für sich entdeckt - Honorare bilden den Türöffner; wer nicht ringen mag, kämpft auch für Geld nicht. Zum anderen lassen sich Filme müheloser ohne Publikum herstellen. Ein handverlesenes Publikum weiß zu schätzen, daß ihm Gelegenheit gegeben wird, Kämpfe live zu erleben. Erinnern wir uns: In den siebziger Jahren wurde zwar auch gerungen, heimlich im Wohnzimmer, aber die entsprechenden Zirkel schotteten sich ab; Männer, die keine Ringerin mitbrachten, hatten keinen Zugang. Da sind wir heute ein ganzes Stück weiter und offener.

Lebenshilfe bei Schopenhauer

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, erkennen wir, daß das jetzige Stadium geradezu zwangsläufig ist. Schopenhauer hat die Gesetzmäßigkeit von Entwicklungsprozessen in einem Aphorismus sarkastisch beschrieben. Sinngemäß läßt sich die Gesetzmäßigkeit auf alle Entwicklungen beziehen: Erst wird eine Sache verschwiegen, dann beschimpft und gegebenenfalls verboten, in der nächsten Phase wird sie verlacht und schließlich wird sie nachgemacht. Beispiele zuhauf: Von den ersten Laufveranstaltungen nach der Wende zum 20. Jahrhundert nahm niemand Notiz. Dann stellten sich die Behörden quer; es setzte im Grunewald Verwarnungen gegen Teilnehmer von Laufwettbewerben; es war die Zeit, als Leichtathleten die Länge der Hosenbeine vorgeschrieben war. In den zwanziger Jahren wurden in New York Marathonläufer mit Steinen beworfen. Als wir in den sechziger Jahren zum Laufsport außerhalb der Stadien fanden, wurden wir nur noch verhöhnt. Jetzt hat jede größere Stadt, die auf sich hält, ihren Marathon oder zumindest einen kleineren Stadtlauf. In den siebziger Jahren machten sich der „Spiegel“ und seine Epigonen über uns lustig. Jetzt treten Medien als Sponsoren von Marathonläufen auf. Frauen blieben bis Ende der zwanziger Jahre in den meisten Disziplinen von den Olympischen Spielen ausgeschlossen; bis 1968 durften sie nicht an Marathonläufen teilnehmen. Der „Spiegel“ warf einem verdienstvollen Lauftrainer vor, er wolle „Zatopeks mit Zöpfen“ heranbilden. Frauenfußball - dieselbe Entwicklung, vom Verbandsverbot über die Verhöhnung bis zu Akzeptanz und Sponsoring. Boxen war in manchen Ländern verboten, die Boxerinnen von Strothmanns Liberal Girls International Sports wurden verlacht - manchmal ob fehlender Technik sicher nicht zu Unrecht -, jetzt sind Boxkämpfe, insbesondere Frauenboxkämpfe, für das ZDF ein Quotenbringer. Wer sich Gedanken über seine Ernährung machte, galt als Sonderling. Alternative Ernährungsweisen wurden erst verschwiegen, dann mit Horrormeldungen bekämpft und danach lächerlich gemacht. Längst sind in der öffentlichen Meinung aus den „Körnerfressern“ Öko-Freaks geworden. Unzählige Beispiele belegen, daß Emanzipation - wie in der Schwulen- und Lesben-Bewegung - den Durchgang durch die Phase der Verbote und dann der Verächtlichmachung voraussetzte.

Auf weite Sicht betrachtet, erlebt die Erotikszene der Frauenkämpfe eine neue Durchgangsphase. Erst ist von der Triebneigung einer Minorität nicht Kenntnis genommen worden - ja, wenn diese Minorität Gummimasken getragen oder sich gepeitscht hätte! Dann, als die Leute zu weiblichen Catchertruppen strömten, wurde Frauencatchen in manchen Orten verboten, schließlich überwog das Lachen. Ebenso wurde über Kämpfe in Schmalfilmen, wenn sie denn Außenstehende zu Gesicht bekamen, gelacht, wie ich es in meinem privaten Umfeld erlebt habe. Frauencatchen lockt heute so wenige hinterm Ofen hervor, daß es hierzulande keine Catcherinnen-Gastspiele mehr gibt. Entwicklungen in der Schweiz vollziehen sich - man weiß es - langsamer. Dort sind die Schwingerinnen des Folklore-Ringkampfes noch in der ersten Phase, des öffentlichen Verschweigens und der Sanktionen durch männliche Schwinger. In Graubünden war auch noch bis in die zwanziger Jahre Autofahren verboten, und das Frauenwahlrecht ließ noch länger auf sich warten.

Gewiss, wir hatten uns den Einstieg in die Publizität anders vorgestellt, nämlich als seriöse Berichterstattung, weil wir meinten, daß die Darstellung einer erotischen Szene als Stoff genügend interessant sei. Ich selbst war mit einem Manuskript - es war kein schlechtes - hausieren gewesen. Doch da Medien unter wirtschaftlichem Druck immer mehr emotionalisieren denn informieren wollen, ist dieses Stadium der Diskriminierung wohl nicht zu vermeiden. Im Grunde können einem die armen Schweine von Rechercheuren, die ein Filmchen abliefern müssen, leid tun. Immer weniger Menschen mit sexuellen Vorlieben sind erpreßbar geworden, auch wir nicht mehr. Manche, die darauf spekulieren, haben das noch nicht gemerkt. Offensiv zu reagieren, nimmt den Sensationshaschern den Wind aus den Segeln. Keine Angriffsflächen zu bieten, ist das Gebot der Stunde. Vor einem privaten Treffen kann man sich nicht nur die Besucher, sondern auch das Umfeld der Ringerinnen ansehen und einem neuerlichen Erpressungsversuch vorbeugen.

Nachmacher werden kommerzialisieren

Große Veranstaltungen wie die DWW-Treffen in Ungarn werden nach meiner Überzeugung eines Tages wieder kommen, spätestens in einer neuen Generation. Man wird es sicher später einfacher haben, Kämpfe im Pin-and-Submission-Stil zu erleben und durch Inszenierungen Lustgewinn für die eigene Phantasie zu gewinnen. Meine Befürchtung geht eher dahin, daß im nächsten Entwicklungsstadium, dem des Nachmachens, die Kommerzialisierung überhand nehmen könnte, und zwar durch der Szene Fernstehende und allein am Gewinn Interessierte. Indizien dafür gibt es. Fußball heute ist ja auch ein ganz anderer als noch in den fünfziger Jahren; es überwiegen die wirtschaftlichen. Interessen, und selbst die Emotionalisierung steht im Dienste dieser Interessen.

Sind nicht bereits Vorboten dieser letzten Stufe, der des Nachmachens, erkennbar? Was ist das Bemühen der FILA, den Ringkampf durch Beach wrestling in Bikini und Badehose populär zu machen, anderes, als Erotik zumindest unterschwellig anzusprechen? Damit erreicht sie genau das Potential für unsere Pin-and-Submission-Kämpfe. Nachdem im vorigen Jahr bei Stuttgart die erste Meisterschaft im Beach Wrestling stattgefunden hatte, spiegelte sich dies in der Website des organisierenden Vereins wider. Die entsprechende Site steht an der Spitze der Zugriffe; erst an zweiter Stelle kommen die Zugriffe auf Berichte aus der Oberliga.

Laßt uns bis dahin, der Zeit der Popularisierung des Pin-and-Submission-Kampfes, die jetzige Phase, die ja etwas reizvoll Konspiratives hat, genießen! Denn zur Zeit bestimmen noch wir selbst, was sich abspielt. Der Kommerz bleibt außen vor; wir leisten uns den Luxus, Begegnungen selbst zu finanzieren. Grauenvoll wäre der Gedanke, allein unternehmerisch oder in Verbandskategorien Denkende lockten das falsche Publikum an. Die jüngste TAC-Veranstaltung im Mai 2006 war daher nach meiner Überzeugung kein Rückschritt, sondern eine Anpassung mit eigenem, lustvollen Charakter.

Werner Sonntag

Dieser Kommentar ist im Sommer 2006 auf der Website des TAC erschienen.  Die Frage "Vor einem Hornberger Schießen?" scheint sich der Beantwortung zu nähern. Nach fünf Jahren  seit dem inkriminierten Ereignis in Belgien ist noch immer keine Anklage erhoben, so unsicher ist sich die Staatsgewalt. Dagegen ist jener Journalist des belgischen Fernsehsenders RTBF, Jean-Claude Defossé, der aus einer erpresserischen Anzeige eine Reportage gebastelt hat, auf der dann später eine verschiedentlich abgedruckte dpa-Meldung beruhte, in einem Zivilprozeß zu Schadenersatz für die beiden Betroffenen, Béatrice und Michel, verurteilt worden.  


Kult um den Kult


Im April 2009 ist in einem Forumsbeitrag mangelndes Interesse an der Vergangenheit der Szene, insbesondere an den achtziger und neunziger Jahren, beklagt worden. Der Verfasser schreibt: „Im krassen Gegensatz zu anderen Hobby-Communities fällt mir auf Anhieb weder ein Ereignis oder eine Person ein, denen in unserer Community so etwas wie Kultstatus zukommt.“ Ist dem so?

Um zu erfahren, wer oder was einen Kultstatus hat, sollte man wissen, was Kult bedeutet. Der Begriff hat ursprünglich etwas mit der Religion zu tun, Gottesdienste sind Kulthandlungen (lat. cultus ist die Verehrung einer Gottheit). Nach Wahrigs Deutschem Wörterbuch bedeutet Kult auch eine verehrungsvolle, übertrieben sorgfältige Behandlung. Man erkennt daran schon eine Ausweitung des Begriffes. In den letzten ungefähr dreißig Jahren ist Kult geradezu ein Modewort geworden, das inflationär gebraucht wird. Auf diese Weise bin selbst ich zum Autor eines Kultbuches geworden (nein, nicht „Kampfes Lust“, sondern mit einem viel früheren Buch, das noch jetzt gekauft wird, weil es offenbar eine Entwicklung markiert hat).

Daraus ergibt sich, daß im Grunde erst die nächste Generation beurteilt, was „Kult“ ist, sofern der Kultgegenstand dann noch im Gespräch ist. Mit Prognosen kann man ziemlich schief liegen, wie ich selbst erfahren habe, als ich in der literarisch ausgezeichneten Anthologie von short stories „Catfight!“ von Rainer-Maria Ringer im Jahr ihres Erscheinens, 2002, das künftige Kultbuch der Szene gesehen habe. Daß es das nicht geworden ist, hängt sicher mit der selektiven Wahrnehmung durch die Community zusammen.

Die ersten Ringkämpferinnen, die in Europa öffentlich auftraten, hätten wahrscheinlich das Zeug gehabt, zu Kultfiguren zu werden. Doch da die Ringkampf-Vorliebe ein geheimer Fetisch blieb, gab es kein öffentliches Gedächtnis. Die meisten Namen sind vergessen, genau wie die von weiblichen Profi-Wrestlern, die in den fünfziger und sechziger Jahren durch die Lande tourten. Bei ihnen kommt hinzu, daß sie nicht die Vorlieben der späteren Szene abdeckten, sondern die Zielgruppe der Catch-as-Catch-Liebhaber ansprachen. Allenfalls nahmen die Freunde des weiblichen Ringkampfes die Ring-Spektakel als Surrogat für ihr Bedürfnis nach Live-Kämpfen.
Zum Kult können nur personalisierte Objekte werden, also nicht etwa Produzenten von Ringkampf-Filmen, wohl aber diese selbst. „Liebesgrüße aus Moskau“ wird man mit Fug und Recht als Kultfilm bezeichnen können, realisiert er doch geheime Sehnsüchte nach einem Catfight. Daß die „Amazonen“ von Terence Young hierzulande offenbar nicht als Kultfilm betrachtet werden, hängt sicher damit zusammen, daß es keine deutschsprachige Fassung davon gibt. „All the Marbles“ (mit dem albernen deutschen Titel „Kesse Bienen auf der Matte“, die im Film gar nicht vorkommt) ist zwar populär gewesen, aber als Kultfilm der Szene würde ich diese Handlung aus der Pro-Wrestling-Szene nicht bezeichnen.

Der erste Text, der sich zum Kult eignet und wohl Kultstatus erreicht hat, ist „Hello, out there!“ (Etwa: Hallo, ihr da draußen) von Cherrytree, der erstmals der seltsamen Triebneigung literarisch Ausdruck gegeben hat Manche Amerikaner haben in ihm gar den „Vater“ des Catfights gesehen, was jedoch, versteht sich, nicht stimmt. Wer den Text, der auch auf Deutsch erschienen ist, nicht kennt, muß den Grund bei sich selber suchen.
Das Etikett „Kultfigur“ kann nur dann angeheftet werden, wenn breite Übereinkunft besteht. Deshalb sind Namen, die in einem Forum genannt werden, immer zu hinterfragen, weil Foren sowohl von der Institution her als auch von den darin sich mitteilenden Personen eine Szene nur eingeschränkt repräsentieren.

Übereinstimmung wird man bei Bettie Page herstellen können. Doch im Gegensatz zu dem Sexsymbol Marylin Monroe ist sie erst in den achtziger Jahren zur Kultfigur geworden, und dies auch nur beschränkt, denn sie war eine Darstellerin, keine Insiderin. Sie hat ausgeführt, was Irving Claw ihr aufgetragen hat. Auch dieser selbst war wohl kein Liebhaber des Frauenringkampfes, sondern er war über die Sado-Maso-Szene, die er als Kunden seiner Photos entdeckt hatte, auf das Apartment-Wrestling gestoßen. Der Cartoonist Eric Stanton hat zwar auch ringende Frauen zu Papier gebracht, sein Hauptwerk aber sind bizarre Motive des SM-Fetischs.
Vergessen, zumindest zu wenig gewürdigt scheint mir dagegen die Rolle von Judell du Long. Sie war eine engagierte Pionierin des weiblichen Ringkampfes im Pin-and-Submission-Stil. Daher würde ich ihr den Rang einer Kultfigur einräumen. Ihr Ruf als Vorkämpferin des privaten Ringens hat die Zeit ihrer Aktivität überlebt. Die Namen junger Frauen aus ihrem Gym in der Garage, Nancy Scarvan oder Treena zum Beispiel, sind Kennern der Szene noch immer geläufig. Ihre Super-8-Filme haben nicht den geringsten materiellen Wert mehr, aber es sind Kultfilme.

In Europa ist es Béatrice Goffin, die Kultstatus beanspruchen darf. In ihr verkörpert sich am deutlichsten die europäische Szene; sie ist von ihr und ihrem Mann mitgeprägt worden. Auch wenn sie sich wegen der Denunziation vor drei Jahren zurückgezogen hat, bleibt sie die Ikone des privaten Ringkampfes; ja, sie kann mit ihrem Trainingskreis als Bindeglied zum olympischen Ringen überhaupt gelten.

Andere Ringerinnen, die inzwischen abgetreten sind, mögen zwar nach wie vor beliebt sein, aber Kultfiguren sind sie nicht. Mag sein, daß sie es noch werden, sofern sie die Verbindung zur Szene nicht abbrechen lassen und zum Beispiel als Trainerinnen dauerhaft die Szene prägen. Darüber muß die nächste Generation urteilen. Man muß mit dem Kult keinen Kult treiben; es reicht, Entwicklungsstadien nicht zu vergessen und damit die Kontinuität des weiblichen Ringkampfes und der entsprechenden Neigung im Auge zu behalten.

W. S.


Dezember-Heft 1967 von "Evergreen", in dem Cherrytree seinen Text veröffentlichte. Das Titelbild ist von Tomy Ungerer.